Dieses Zittern im Bauch, dass man nie mehr vergisst…

Der Orgasmus und die Frauen

Dank dem Medien-Overflow wissen wir, dass es den Orgasmus, dieses alles übertreffende, unbedingt zu erreichende Gefühl, gibt. Und zwar schon, bevor wir das erste Mal überhaupt Sex haben.

Man stelle sich vor: früher dachte man, die Frauen wären zu keinem Orgasmus fähig, und ihre „Unleidigkeit“, weil der Gatte nur sich selbst einen verschaffte, diagnostizierte man als Hysterie!

Und heute? Kaum beginnen wir mit Sex, geht der Stress los. Kriege ich einen Orgasmus? Wie geht das? In pornografischen Geschichten wird beschrieben, dass Frauen direkt nach der Entjungferung in lüsterne Schlampen mutieren, die Schwanz lecken, Anal lieben, und natürlich haben sie multiple Orgasmen und spritzen nur so vor sich hin. Sorry, ich glaube, wenn eine Frau sich so benimmt, ist eins von zwei schlimmen Dingen vorgefallen:

. sie hat Missbrauchserfahrungen aus der Kindheit

. sie fühlt sich gezwungen, sich so zu benehmen, wie ihr die Medien vorgaukeln, dass es „normal“ ist (was auch nicht gerade auf ein stützendes Umfeld hinweist)

Neu haben wir Mister Grey, der, kaum erfährt er von ihrer – wie hiess sie noch mal gleich? – also, kaum erfährt er von ihrer Jungfräulichkeit, dieses „Problem“ umgehend „behebt“. Worauf auch das SOG-Häschen, erstmals penetriert, vollkommen ruhig sadomasochistische Versuche in Betracht zieht und sich voll ausgestattete „Spielzimmer“ ansieht. Eine ganz tolle Biene, das. Keine unsicheren Fragen. Kein romantisches Unglück, weil Mister Grey nichtmal richtig küssen will. Ist doch logisch, oder, so direkt nach dem ersten Mal? Ich meine, wenn ich dafür ein bisschen Hubschrauber fliegen darf?

Ist euch schon mal aufgefallen: so modern, abgeklärt, ja sogar abgebrüht die heutige Zeit auch sein mag, immer wieder werden die alten Klischees bedient. Frau ist züchtig und enthaltsam, und nur mit dem Einen wird sie…

Das war in Shades of Grey so, es ist in dem erotischen Roman, den ich grade lese so. Und der ist wirklich einer von der besseren Sorte. Hier ist die Frau Witwe, offenbar kam ihr Mann um, als er ihr das Leben rettete. Und klar, sie hat sich jahrelang schon keinem Mann mehr hingegeben. Direkt vor diesem hatte ich einen Mainstream-Roman gelesen, eine romantische Liebesgeschichte. Und auch hier: sie Witwe, jahrelang kein Sex, bis „der Richtige“ kam. In Goethes berühmtem Faust, ganz klar, der Teufel verführt das unschuldige, sehr junge Mädchen. Was hat sich seitdem geändert?

Aber ich wollte ja über den Orgasmus, insbesondere den der Frauen, sprechen.

In meinen Zwanziger Jahren (das ist nun schon eine kleine Weile her) wusste ich nie, ob ich einen Orgasmus hatte, oder nicht. Wie auch? Da war nie so ein erdbebengleiches Gefühl, dass ich hätte sicher als solchen orten können. Vielleicht hatte ich da schon welche, kleinere. Ich weiss noch, dass ich immer sehr heiss war, und das Gefühl wurde mitunter unerträglich. Persönlich denke ich, dass viele junge Frauen nach dem Sex noch schmusen und reden möchten, weil sie eben keinen Orgasmus hatten. Das bedeutet, ihre Erregungskurve ist bis an den Gipfel angestiegen, und dort „hängen“ sie dann, und kommen nicht runter von der Geilheit. Kein Wunder, können sie nach dem Sex nicht einfach einschlafen!

Dann war da noch ein anderer Punkt. Ich hatte immer das Gefühl, ich muss mich beeilen. Das kann doch nicht so lange dauern, was denkt der arme Mann, etc. Selbstverständlich, solange das Hirn auf Hochtouren läuft, hat die Pussy keine Chance auf ihren Spass. Jedenfalls nicht auf das Finale.

Also, anfangs meiner Zwanziger. Da habe ich mal fünf Freundinnen angerufen, die ich als vertrauenswürdig erachtete. Ich bat um Informationen zu ihrem Orgasmus und zu Selbstbefriedigung. Was vier der Telefongespräche relativ rasch beendet hat. Eine gab mir, zögernd zunächst, Antwort. Gott sei Dank, sonst hätte ich weiter gedacht, ich bin allein auf der Welt mit meiner Ratlosigkeit.

Übung macht die Meisterin, und so wurde der Vibrator mein bester Gipfelbegleiter. Mit den Männern dauerte es eine ganze Weile länger.

Nun, der langen Rede kurzer Sinn: ich kann überhaupt nicht verstehen, warum so ein Theater um’s Älter werden gemacht wird. Was die Orgasmen angeht: sie werden immer besser!

Auf lilli.ch wird schön beschrieben:

Am einen Ende der Skala spüren die Frauen vielleicht nur ein leichtes Pochen im Geschlecht. Andere erleben eine angenehme Entspannung. Am anderen Ende der Skala berichten Frauen von Flutwellen, Feuerwerken von Wärme und Licht, jubelnd-schluchzenden kosmischen Höhenflügen, verzückter Ekstase und so weiter. Hier ist wirklich der ganze Körper und das ganze Gehirn am Orgasmus beteiligt.“

Yeah….! Da kommt mir grade in den Sinn, an diesem schönen Sommertag, ich sollte heute Nacht dafür sorgen, dass ich entweder selbst meinen ganz persönlichen Sternenzauber habe, oder zumindest der kleinen Deborah, aus der Geschichte „Der Dom und das Mädchen in Mailand“ zu einem verhelfen. Mal sehen 😉

Tausend Varianten für Erlebnisse wie in Tausend und einer Nacht. Klitoral. Vaginal – kann das jede Frau? Oral. Anal. G-Punkt-al. Tantrisch.

Würde mich mal interessieren, wie viele Vanilla Frauen da draussen sind, die glücklich und oft Orgasmen haben. Echte, keine Fakes. Man hört ja so einiges. Von Lustlosigkeit in langjährigen Beziehungen. Ehepartnern, die nicht über ihre erotischen Bedürfnisse sprechen. Jedenfalls nicht über diejenigen, die sie als „unerlaubt“ einstufen. Und jedenfalls nicht miteinander.

Wer gewisse Frauenzeitschriften regelmässig liest, deren Name mit Co beginnt und mit –tan endet, erhält mit jedem Erscheinungsdatum auf dem Titelblatt gleich oben links die neuesten Sex-Turnübungen, welche unbedingt umzusetzen seien. Sowie Anleitungen nach dem Motto „wie mache ich ihn vollkommen verrückt nach mir in nur 7 Tagen“ und dergleichen. Drunter dann die Diät- und Schminktipps, sowie die neueste mega-angesagte Mode, natürlich alles Must-Haves! Stress lass’ nach.

Nie warst du weiter von sexueller Erfüllung entfernt, liebe Frauenzeitschriften-Leserinnen.

Darf’s ein bisschen mehr sein? Da las ich vor einiger Zeit mal in einer – ansonsten recht vernünftigen – Frauenzeitschrift: Frauen holen sich heute ihre Lust, wann und wie sie mögen. Beschrieben wurden zwei Beispielgeschichten. Eine der Frauen lebte in einer – wie sie sagt – glücklichen und liebevollen Verbindung, aber sie brauche halt „viel mehr Sex als mein Partner“. Die andere ist eine mega-super-erfolgreiche Karrierefrau, die sich nicht binden will. Zufällig wird in jedem der Berichte eine der beiden grossen „Casual Dating“ Agenturen erwähnt, derer sich die Damen angeblich bedienten. Echt jetzt…

Wie sind eigentlich meine Orgasmen? Seufz….ja….wundervoll! Dieses Zittern im Bauch, das man nie mehr vergisst, …

Ehrlich gesagt, könnte ich mir ein Vanilla Leben niemals vorstellen. Ich liebe es, wenn ein dominanter Mann meinen Körper lesen und mit ihm spielen kann. Ich liebe diesen gedankenleeren Raum, dieses Schweben. Die vollkommene Stille. Und auch das „Mehr! Fester! Härter!“ Dieses Sich-selbst-Vergessen. Das „Laufen-lassen“, einfach den Körper, die Empfindungen ihre Bahn finden lassen. Das Tun ohne Denken. Die Gefühle, wenn er in mir ist, mich ausfüllt. Mich stösst. (Ohhh Mann, warum sitze ich eigentlich hier und schreibe nur drüber…!). Die Augen verbunden und nicht wissen, was kommt. Dieses „ich will alles. Tu’ mit mir was du willst“. Vollkommenes Vertrauen. Vollkommene Hingabe. Kein Gedanke daran, ob ich grade perfekt aussehe, oder Trick soundso einsetzen sollte, damit er „vollkommen verrückt nach mir wird“. Sorry, liebe Cosmo-Redakteurinnen. Einatmen, ausatmen reicht. Den Rest wird „er“ schon lenken. Und: er ist verrückt nach mir, ich schwöre ;-).

Und dann, die atemlose Weichheit danach, das Ankuscheln. Vollkommenes Glück, absolute Befriedigung.

Geht Orgasmus auch ohne Liebe? Natürlich. Es ist, mindestens zum Teil, ein körperlicher Vorgang. Allerdings, fehlen die Gefühle, ähnelt es für mich mehr einer gegenseitigen Selbst-Befriedigung. Danach kann ich aufstehen und gehen. Das Erlebnis hat Zufriedenheit verursacht, ist jedoch kaum nachhaltig. Ähnlich einer Zigarette. Ich brauche immer schon bald die nächste…

Ich stelle es mir immer gerne so vor: beim Sex, vor allem beim Orgasmus, wird Energie frei. Beim reinen Akt verpufft diese in der Luft. Sind Gefühle zwischen den Sexpartnern, können sie diese Energie zwischen sich behalten, sie stärkt die Bindung.

Übrigens, das oben erwähnte Buch, dass ich grade lese: Dark Demand von Don Both. Sexy unterhaltsam.

Tja, wo ich schon die ganze Zeit über Orgasmen schreibe… Ich möchte euch nicht verlassen ohne ein kleines „Betthupferl“. Dafür verweise ich gerne auf die Seitenspringerin, die unnachahmlich phantastisch heiss beschrieben hat, wie wir es uns mache (lassen) sollten. Und zwar jetzt. Sofort:

http://seitenspringerin.com/2014/10/06/beim-orgasmus-geweint-vor-gluck/

Habt ein schönes, zittriges, aufregendes, feuchtes Wochenende 🙂

12 Gedanken zu “Dieses Zittern im Bauch, dass man nie mehr vergisst…

  1. darkfantasies69 sagt:

    Klasse Eintrag. Und mal ehrlich, warum machen wir uns, Männlein wie Weiblein, so einen Druck damit. Anstatt einfach zu genießen das was kommt. Und selbst wenn es jetzt nicht der ultimative Höhepunkt ist, wenn der Rest doch schön und toll war!?

    Und Mr. Grey? DAzu muss man wirklich nichts mehr sagen.

    Die natürlichste Lust ist die schönste und diese ist vollkommen frei !!!

    Schöne Grüße

    HoM

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      1. darkfantasies69 sagt:

        Man sollte einfach sein Hauptaugenmerk nicht auf den Höhepunkt richten. Sich von seinem Gefühl leiten lassen. Mehr auf die Lust reagieren und auf dass, was wirklich wichtig ist…………
        Liebe Grüße

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  2. Breisgaumaster sagt:

    Ist schon was dran, an dieser Art, sich selbst unter Druck zu setzen, anstatt einfach sich fallen zu lassen und alles was man will herauszu toenen. Hemmungslos zu sein sollte weiterhelfen.

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  3. Ivy sagt:

    Ich hab jetzt eine Weile gebraucht um deinen Beitrag im Lauf von Tagen zu Ende zu lesen – angefangen, Eis alle, weitergelesen, Postbote, and so on – aber das Durchhalten hat sich gelohnt. Sehr schöner Artikel und tolle Betrachtungen dazu. Ich bin in der wundervollen Lage mir ohne Druck einen Orgasmus zu gönnen, wann, wie und wo ich will – verglichen mit meinen 20ern ist das ein enormer Unterschied in der Qualität 🙂

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  4. Pingback: O-O-Orgasmus

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