Pretty woman, reloaded

Wir sprechen vom aktuellsten Aschenputtel Aufguss: Fifty Shades of Grey (SoG) – the Movie. Mächtiger, hübscher und im Herzen guter Prinz trifft auf armes, verschupftes, aber wunderhübsches Mädchen und es funkt.

Julia Roberts als Prostituierte durfte noch Austern durch die Gegend schiessen und per Hubschrauber die Oper besuchen, in der sie – als Amerikanerin des Italienischen gänzlich unmächtig – dekorativ Wasser in den dunklen Augen schimmern hatte vor lauter Rührung. Bevor sie ihn dann rettete, den guten Richard, der schon so lange nicht mehr barfuss gelaufen war.

Schön wars, Mädels, oder nicht?

Während also die Männer noch immer grübeln, was das jetzt eigentlich bedeuten sollte, kommt für die Ladies endlich das nächste romantische Flugobjekt um die Ecke.

Anastasia, die weibliche Hauptdarstellerin in SoG, darf ebenfalls Hubschrauber-daten, doch in die Oper gehts diesmal nicht. Dafür verschärft zur Sache, „Spielzimmer“ sei Dank. Aber langsam, alles der Reihe nach…

Um es vorne weg zu nehmen: Ich fand, Shades of Grey ist eine romantische Komödie, und es gibt wahrlich schlechtere davon. Die Filmmusik hat mir gefallen. Die Hauptdarsteller sind gut gewählt, wobei mir der smarte „Kristschiän“ etwas milchgesichtig rüber kommt. Kein Wunder, als ich mit BDSM anfing, ging er noch in den Kindergarten…

Also…Anastasia und die Phallus Symbole. Zum Beispiel das riiiiesige Hochhaus, in dem die Kristschiän Gräi Kooperäischen residiert. Und der Bleistift zwischen ihren Lippen. Im Gegensatz zu Julia damals, darf Anastasia studieren, Literatur. Sie ist intelligent. Na ja, nicht intelligent genug, um bei der ersten Begegnung mit Kristschiän sturzfrei durch einen Türrahmen zu laufen.

Ein Rätsel wird mir ewig bleiben, wie das nun ging, dass die beiden sich ineinander verguckt haben. Aber egal, ich muss ja nicht alles verstehen.

Kristschiän, übrigens, kann wohl nicht studiert haben. Wenn er mit 29 Jahren bereits ein Multimillionen Dollar Unternehmen auf die Füsse gestellt hat? Ist ja auch nicht relevant, solange er berühmte Literaten aus dem Stand zitieren und nachts sexy Piano spielen kann. So viel Zeit muss sein, Leute, ey…!  Dafür hat er sogleich einen Narren an dem Mädel gefressen, dass bei ihm zur Tür rein stolpert. Und sagt folgerichtig alle nachfolgenden, ultrawichtigen Weltkonzernchef-Termine ab, um ihr noch ein wenig länger beim Bleistift kauen zusehen zu können.

Anastasia, in Bluse und Strickweste, ziemlich mädchenhaft gekleidet, verkörpert einen Frauentyp, der tatsächlich vielen dominanten Männern zusagt. Mir gefällt ihr Kleidungsstil übrigens auch.

Der erste Dialog. Ana „Ich denke, sie haben mehr Herz, als die Menschen glauben“. Boah…. der neue weibliche Pick-up-Spruch für Multimillionäre! Ich erspare euch den Rest. Wie gesagt, mir ist nicht ganz klar, warum sie einander verfallen. Aber sie tun es. Und sie tun es sexy.

Was mir zusagt: Kristschiän verhält sich in Teilen realistisch. Wie ein wirklich dominanter Mann. Zum Beispiel, dass er Situationen und Handlungen kontrolliert, führt. Auf sehr charmante Art, natürlich. Ein Dominanter ist schliesslich kein Diktator. Er verführt im Grunde genommen seine Umgebung – und auch die Frauen- dazu, ihm folgen zu wollen. Ein begnadeter Manipulator im positiven Sinne, wenn man so will. Und dieses kleine Lächeln, dass er manchmal – heimlich – um die Lippen hatte, wenn Anastasia auf entzückende Art Widerrede leistete. Hat sie wirklich. Und wirklich witzig, klug und einnehmend.

Grade fällt mir auf, Italien erhält doch wieder die Ehre, obwohl die Oper rausfiel. Ist das im englischsprachigen Ausland grade hip? Leider wird es auf ziemlich kindische Weise eingeflochten. Kristschiän sagt dem Aneli oft „Ciao ciao Baby“. So wie er es sagt – das wäre für mich der sofortige Stopp jedwelcher libidiöser Flüsse. Aber gut, er hat ja noch seine Hubschrauber (von Richard abgeguckt) sowie all den anderen motorbetriebenen Schnickschnack zur Auflösung jedwelcher auftretender Kommunikationsschwierigkeiten.

Was macht die Mädels eigentlich so verrückt nach ihm? Der Versuch einer Erklärung: Er ist souverän. Sagt zwar, dass er nicht romantisch ist, aber kann ihr in die Augen schauen, laaange.  Und wie! Ganz zu schweigen von… aber schaut euch selbst den Film an.

Ein paar Szenen…

Sie: „Bist du Sadist?“ – Er: „Ich bin dominant“.  Sie: „Was habe ich von all dem?“ – Er: „Mich“.

Beim Gang durch eine Tiefgarage. Sie: „Welches ist dein Wagen?“ – Er: „Alle“.

Der Knaller: Er hat ihr grade sein peitschenbehängtes Spielzimmer gezeigt, da findet er im Gespräch heraus, dass sie noch Jungfrau ist. Jawoooohl, Jungfrau!

Er (zunächst ungläubig, dann seufz, grummel, entzückt, gerührt…): „Wo bist du nur gewesen?“ (Ave Maria, solch eine Beute fällt noch nicht mal dem Kristschiän Gräi jeden Tag vor die Füsse). Es geht weiter…

Sie: „Was hast du vor?“ – Er: „Wir werden die Situation bereinigen“.

Was sie dann auch tun. Ist das nicht herrlich? Eben noch Jungfrau, und einen Tag später schon „Zeig mir den Schmerz“. Diese Frau ist tiefenentspannt!

Hier noch ein süsser: „Oh mein Gott, Kristschiän, das ist ein Auto!“ (welches er ihr schenkt, und einen Computer, eine seltene Ausgabe einer Buchreihe, …, ….). Er: „Dir entgeht aber auch gar nichts“.

So, jetzt habe ich euch schon einige Pointen versaut. Ihr könnt euch auf das Wesentliche konzentrieren, wenn ihr den Film schauen geht: die Sex Szenen. Aber bitte nicht zuhause nachmachen, gell? Jedenfalls nicht mit so dünnen Seilen, wie Kristschiän sie verwendet. Ausser, ihr wollt tagelang mit aufgeschürften Hand- und Fussgelenken rumhüpfen…

Aber ich hab‘ noch eine,  einigermassen bdsm-relevante, Szene im Köcher.

Kristschiän will unbedingt, dass sein Schatzi ihm erst den schriftlichen Sado-Freibrief gibt, sprich: einen Sklavenvertrag unterzeichnet. Analein will das besprechen und kommt dazu in sein Büro. Jetzt wird es sehr „realistisch“:

Anal Fisting und Vaginal Fisting streicht sie. Und dann fragt sie „Was ist ein Analstöpsel?“ Ja, sehr logisch für jemanden, der offenbar ein Bild davon hat, was Fisting ist…

Auch schön realitätsnah: Ratet mal, wie es dazu kam, das Kristschian dominant und sadistisch wurde? Die Freundin seiner Mutter hat ihn als Teenager verführt und er war jahrelang ihr Skalve. Ihr versteht jetzt nicht, warum er dann nicht devot und masochistisch wurde? Nun, ich auch nicht…

Zeit für das Safe Word. Stopp! Aufhören!

Anastasia würde hauchen „yellouuw light“…

Okay. Ich habe Erbarmen und komme zum Schluss. Ein klein wenig müsst ihr es noch aushalten…ganz kurz noch, ja? Beisst auf die Zähne.

Aschenputtel

Pretty woman

Shades of Grey.

Das Faszinierende an SoG ist, wie viele Frauen „das jetzt auch haben wollen“.

Das war bei Pretty Woman noch nicht so 😉

Hat dir dieser Beitrag gefallen? Dann lass‘ mir ein Like oder einen Kommentar da, oder folge mir. Ich freu‘ mich :-).

34 Gedanken zu “Pretty woman, reloaded

  1. 64er sagt:

    Anastasia – ANALein. Ich hab mich weggeworfen. 😉

    BDSM ist tatsächlich „nur“ der Füllstoff für eine Liebeskomödie. Es gibt sicher Schlechtere. Seit dem grandiosen „Harry und Sally“ aber auch nichts mehr das mich wirklich überzeugt. So gings mir auch mit „Shades of Grey“.
    Das schönste an dem Film waren die meist zu Dritt auftretenden Freundinnencliquen und ihre Reaktionen auf den einzigen Mann der vollkommen ohne Begleitung im Kino war.

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  2. Mic sagt:

    Und spontan fällt mir wieder ein, warum ich dem Hype nicht folge und weder Buch noch Film an mich heranlasse. Danke dafür! Und die besten Pointen kenne ich dank dir jetzt ja auch, ohne den Film gesehen zu haben 😉 .

    Gefällt 2 Personen

  3. transomat sagt:

    Es gibt Schreiberinnen die gut bezahlt werden. zwei der besten Schreiberinnen Vom xhamster arbeiten heute als Texterinnen und als Lektorin für mich. Nicht in der pornösen Welt. Sondern ganz seriös in der Welt der Werbung. Wer so schreiben kann wie Du und so einen Scharfsinn gemischt mit Wort Kunst beherrscht wird das überall auch für Geld machen können.

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  4. Devote Romantikerin sagt:

    Lieber Transomat, vielen Dank! You made my (Mon)day :-).

    Obwohl ich mich gerne von Seilen und Worten fesseln lasse, ist mein Geist doch ein völliger Freiflieger, was den Output anbelangt. Lass‘ mich bitte wissen, solltest du eine inspirierende professionelle Heimat kennen, in der meine bisher artgerecht gehaltenen Buchstaben nicht auf den Strich geschickt werden ;-).

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