Traumsub

Lieber Prolli-Dom

Du schreibst, dass ich mich bei dir bewerben soll, wenn ich deine Bedingungen erfülle. Nun, ich bin nicht Giselle Bündchen, aber ich glaube, ich kann dir viel geben. Ich verstehe dich! Mir ist klar, dass die meisten der Idioten da draussen überhaupt nichts kapieren, und dass du dich deswegen – zu Recht! – aufregen musst. Es ist immer dasselbe mit dem Staat, dem Chef, und, ja, auch mit uns Frauen. Es tut mir so leid! Ich will dir gerne abends dein Bier vor dem Fernseher servieren, nackt, ist ja klar. Ich höre dir gerne zu – du bist so klug! Deshalb muss ich als Frau auch gar nichts dazu sagen. Ein bisschen zucke ich noch zusammen, wenn du mich Fotze nennst. Da arbeite ich dran. Stelle mich jeden Tag vor den Spiegel und sage „es“ zu mir selber. Das funktioniert schon bald, wirst sehen. Während du schläfst, könnte ich die Wohnung putzen. Und dich dann aufwecken, vielleicht mit einem Blow Job? Hihi, sogar englische Wörter kennst du! Echt, ich bewundere dich so! Also bitte bitte überlege es dir. Es wäre doch schön, mal einer Akademikertussi so richtig zu zeigen, wo es langgeht, oder nicht?

Ich küsse dir die Füsse

Deine zukünftige Sub

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Lieber 70iger Dom

Das waren noch Zeiten, nicht wahr? Fast jeder Witz, sei es in geselliger Runde, oder auch in einem Film, ging auf Kosten der Frauen. Was für ein Gaudi! Da wussten wir noch, was Frausein bedeutet, und akzeptierten unsere natürliche Unterlegenheit. Ich meine, es reicht doch, wenn einer in der Beziehung die Hosen anhat, oder? Echt, was soll man machen, Männer sind einfach klüger. Woher du das alles weißt! Ist es deine Bildung? Oder ist es eventuell die Reife deiner Jahre, die dich die Siebziger persönlich erleben liess? Ich wäre so froh, würdest du mich als deine Sub in Betracht ziehen. Ein paar kleine Fehler habe ich. Unterbrich’ mich nur, wenn ich etwas sage, es ist meist eh nicht wichtig. Es ist sexy, wenn du mir ins Wort fällst. Oder jovial das Gespräch für mich übernimmst und dann anderen sagst, was meine Meinung ist. Das ist das natürliche Machtgefälle, und ich bin eine echte Sub! Nicht so eine Möchtegern, die eine eigene Meinung hat. Viel lieber höre ich dir zu. Es ist so herrlich, was du alles zu erzählen hast von deinem Beruf, deinen Ideen, deinen Gedanken, deine Zielen, deinen Wünschen an mich… Ehrlich, du musst mich nicht ins Gespräch miteinbeziehen. Am Ende bekäme ich noch den Eindruck, dass du dich wirklich für mich interessierst. Wo kämen wir da hin? Ich will dir doch nicht auf der Nase herum tanzen. Nein! DU bist der Chef. Und einzig was du sagst und willst ist interessant. Du bist mein Universum! Wie Prinz Charles schon sagte: Frauen? Am liebsten nackt, schwanger, barfuss im Schnee. Hahahaha… Ich bin nicht so eine verkrampfte Emanze, die da nicht mitlachen kann. Hahahah! Bitte sag’ mir, wo ich dich treffen und dir an den Lippen hängen darf.

Ergebenst,

deine zukünftige Sub

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Lieber Esoterik-Dom

Zugegeben, am Anfang hast du mich verwirrt. Zuweilen war ich mir nicht sicher, ob von uns beiden nun ich die Frau bin oder du. Ich hab’s einfach nicht gecheckt, dass das deine tiefe Empathie ist. Du machst so tolle blumigen Worte. Sie zauberten mir ein verwundertes Lächeln ins Gesicht. Endlich einer, der mit Sprache umgehen kann! Mit der Zeit musste ich mich schon mehr anstrengen, um überhaupt heraus zu finden „Was willst du mir sagen?“ und „Sagst du überhaupt was, mit den vielen Worten?“ Ich strenge mich an, ich bin ja die Sub! Wahrscheinlich fehlt es mir an Intelligenz, oder an Einfühlungsvermögen. Bestimmt an beidem! Gott sei Dank überhäufst du mich dann mit Fragen: Wie will ich gestreichelt werden, mit Peitsche oder Feder? Wie lange brauche ich eine Massage, bis ich nass bin und du – megawild! – in mich eindringen kannst? Bei dir ist mein Zuhause! Du hast es schon komplett vorbereitet. Du weißt, wie alles werden soll. Sogar einen zweiten Namen – für meine Zeiten als Sub – hast du bereits gewählt. In deinem Kopf ist alles klar. Ich erschrecke mich ein bisschen. Wo bin da ich? Aber nein, warum auch! Da! Da hast du eine wunderbare Schublade, wo du mich, deine zukünftige Traumsub, hinein stecken wirst. Ich sollte glücklich sein, oder? Weil wir so viele Worte machen, traue ich mich auch irgendwann, zu fragen, wie deine Erfahrung aussieht? Ah… so…ah, verstehe…hm…ok….aha…. Ja. Nicht so viel. Aber du bist ja ein Mann. Du weißt schon von Natur aus, wie alles richtig geht. Und so selbstbewusst! Das ist einfach klasse. Es hätte ja auch sein können, dass du die Differenz zwischen uns als störend empfindest. Ich meine: du, die ersten Schritte machend in dieser neuen Welt, oder mindestens davon träumend. Und ich, die Sub, mit der gelebten Erfahrung ihres gesamten Erwachsenenlebens. Sowas bringt doch dich nicht aus dem Konzept. Bravo!

Mein Ritter, wann werden wir uns mit Federn streicheln?

Deine zukünftige Sub

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Lieber Dom meines Herzens

Du bist einer, der auch bei den Vanilla Frauen Chancen hat. Weil du einfach ein guter Typ bist. Du brauchst keine künstliche Überlegenheit, denn deine natürliche Autorität zieht mich in deinen Bann. Ich folge dir. Nicht, weil dies ein installiertes Machtgefälle ist. Sondern, weil ich dir aus tiefstem Herzen vertraue. Wir respektieren uns gegenseitig und wir inspirieren uns. Unsere gemeinsame Leidenschaft macht das Band zwischen uns noch enger. Wie wunderbar, dass es dich gibt.

Deine dich liebende

Sub

 

 


Zum Weiterlesen: Traumdom

 

 

40 Gedanken zu “Traumsub

  1. karimausi sagt:

    Sehr geil!!!!!! Ich hab auch einen Artikel zu einem sehr ähnlichen Thema in der Pipeline… ich glaube den muss ich mal fertig schreiben – bzw. in dem Fall fertig übersetzten, denn er entstammt nicht meiner Feder (aber ich darf ihn mit Erlaubnis der Urheberin aus dem Englischen übersetzen).

    Gefällt 2 Personen

  2. LaScotia sagt:

    Liebe Romantikerin, einmal am Tag soll ein Mensch so lachen dürfen! Ich danke dir für diesen wunderbaren Artikel. Besonders der Proll hat’s mir angetan. Gut zu wissen, nein halt stop!, eigentlich traurig zu wissen, dass ich nicht allein dastehe als Zielobjekt dieser Spinner.

    Gefällt 1 Person

  3. rdesade sagt:

    Ich finde es ganz nett, was du schreibst und sicher hast du auch recht. Es gibt Doms, die ziemlich verpeilt sind. Ich finde es auch schön, dass du dich darüber lustig machst. Das ist dir gut gelungen.
    Mir ist nur die Idee gekommen, es wäre sicher auch mal ganz nett, so etwas über Subs zu schreiben.
    Da ich dazu als Dom natürlich zu faul bin (das haben Doms so an sich) und wahrscheinlich wegen des fortgeschrittenen Alters auch nicht mehr die richtigen Tasten finde, kannst du ja mal für ein paar Tage in die Dom-Rolle schlüpfen. Das ist nicht weiter schwer, weil auch die Männer im Netz ständig in Frauenrollen schlüpfen. Und dann wirst du dich wundern, was für Subs unterwegs sind.
    Aber du kannst es auch lassen und lieber weibliche Sub bleiben und damit ein Lichtblick sein in der großen Schar der Möchtegerns. (Meine Vor-Vor-Vor-Vor-Vor- Kommentatorin nehme ich ausdrücklich aus)

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  4. waldstern sagt:

    Tja, keine Aufstiegschancen in der Sandwichposition des mittleren Managements und irgendwie hat es zum stellvertretenden Schatzmeister im Sportverein auch nicht gereicht. Da bleibt als Refugium männlicher Kraft, männlichen Lebens und Durchsetzungsvermögens nur noch das „Dom“ sein. Und dann gerät der arme Kerl an dich!

    Gefällt 2 Personen

  5. me44fun sagt:

    Sehr schön geschrieben, Romatikerin, ich mußte sehr schmunzeln. Andererseits regt sich in mir die Frage, wie es mit dem Intellekt der „?Person/Frau/Sub?“ bestellt ist, die sich auf solche Typen (Ich vermeide Doms bewußt) einläßt. Hat sie es dann nicht besser verdient oder verdient sie unser Mitleid? Oder sind alle, die sich darauf einlassen Fakes und es gibt in Wirklichkeit kaum devote Frauen? Ich meine, wenn Frauen es als unangemessen betrachten, mit „Willste F****?“ in Chatrooms angesprochen zu werden, machen das wirklich so viele Typen? Und wenn die keinen Erfolg damit haben, warum machen die das? Und wenn die doch Erfolg haben (keine Ahnung, ob) sind wir wieder beim Intellekt der Angesprochenen.
    So ein schöner Artikel und er wirft doch so viele Fragen in mir auf. 😏

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    1. Devote Romantikerin sagt:

      Lieber Fragesteller, herzlich willkommen auf meinem Blog. Ich denke, auch intellektuell sehr fitte Frauen stolpern zuweilen in emotionale Fallen. Das Ausmass und die Quantität dieser Fehltritte können aber durchaus auf eine gewisse Lernresistenz hinweisen. Womit sie wieder auf einer Ebene wären mit den Unverschämt-Fragern, die ein nichtfunktionierendes Modell tausendfach wiederholen. So ist wohl der Mensch im Allgemeinen, oder? Wir machen mit einer vollendeten Akribie immer wieder das Gleiche und reiben uns daran auf, dass die Ergebnisse nicht anders werden. Sprechende nicht ausgeschlossen.. 😉

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