Glücklich wie ein Gummibärchen

Über Beziehungsmodelle

In manchen Angelegenheiten haben sie es tierisch gut, die Viecher. Eine Entendame watschelt ihr Leben lang mit dem gleichen Erpel durchs Gras. Der Hahn kräht für seinen Hühner-Harem. Kennt ihr Bonobos, die kleinen Äffchen? Zur Begrüßung poppen (ich hatte hier „vögeln“ stehen, funktionierte irgendwie nicht) sie ein bisschen miteinander. Zur Versöhnung auch. Überhaupt lassen sie keine Gelegenheit und keinen Partner, gleich welchen Geschlechts, aus. Glaubt ja nicht, ihr bleibt unertappt! Ich sehe doch, dass einige von euch diesen glasigen Blick kriegen…hohoho…wish I was a Bonobo….

Andere wären vielleicht lieber Albatrosse. Sie fliegen über den Ozeanen und treffen sich nur so alle zwei Jahre mal, zum Kinder machen. Serielle Monogamie in einer Fernbeziehung. Raffiniert, oder? Die Bienen machen’s nur im Fliegen. Viele Vogelmänner bringen der Angebeteten Nestbaumaterial, oder bauen gleich ein schönes Nest. Zwitscher-Madame kann sich dann aussuchen, mit wem sie sich niederlassen will. Und die Gottesanbeterin … das ist ein anderes Thema.

Tieren ist das Liebes-, Sex- und Beziehungsverhalten vorgegeben. Der Mensch hat die Wahl, erschafft sich seine Kriterien selbst. Was ein gewisses Potential zum Scheitern beinhaltet.

Wir wünschen uns einen Partner, mit dem wir zusammen leben und den Alltag bewältigen. Der Sex soll niemals langweilig werden und die Liebe nicht an Zauber verlieren.

Ich habe das Ganze in drei Teile aufgeschlüsselt: Sexpartnerschaft, Liebespartnerschaft, Lebenspartnerschaft.

Unsere kulturell verankerte Steilvorlage:

„Bitte alle drei gleichzeitig, mit einem einzigen Menschen, auf Lebenszeit“.

Liebespartner

Die Person, die alle verfügbaren Schmetterlinge im Bauch aufscheucht. Deren Anwesenheit in unserem Leben dafür sorgt, dass wir nach drei Stunden Schlaf bestgelaunt im Verkehrschaos stecken bleiben. Nach Ankunft im Büro nehmen wir gelassen die Beschwerde unseres Chefs entgegen und schlendern beschwingt Richtung Arbeitsplatz.

Dem Liebespartner gehört unser Herz. Wir fühlen uns verstanden und können Nächte miteinander durchquatschen. In seinen Armen fühlen wir uns geborgen. Unsere Hormone spielen verrückt. Wir sitzen auf unserer zuckerwattigen Wolke und summen Beine baumelnd ein Lied vor uns hin. Die Augen leuchten, das Haar glänzt. Das Leben ist schön.

Lebenspartner

Die zwei verstehen sich ohne Worte. Sie sind ein eingespieltes Team, können sich aufeinander verlassen. Gemeinsam wird der Haushalt gewuppt und der Finanzplan umgesetzt. Die Beziehung ist getragen von gegenseitigem Respekt und Loyalität. Man lacht über die gleichen Dinge. Das Zusammenleben ist reibungslos organisiert. Der Lebenspartner ist engster Vertrauter. Er versteht einem auch ohne viele Worte. Es gibt gemeinsame Freunde und Aktivitäten. Gegenseitig begleitet man sich zur geliebten und auch weniger geliebten Verwandtschaft. Er kocht Tee bei Krankheit und sie sieht dich kotzend über der Kloschüssel hängen. Man verbringt zusammen das Weihnachtsfest und zieht die Kinder gemeinsam groß.

Sexpartner

Der Mensch, der das Blut in Wallung bringt. Alle möglichen Organe rutschen zu den unmöglichsten Gelegenheiten in die Hose, respektive ins Höschen. Hier kommt das Animalische ins Spiel, das Tier in uns. Wir gieren nach Vereinigung. Sex beseelt unsere Gedanken. Wir wollen Kontakt, uns gegenseitig verschlingen. Der gemeinsame Rausch ist Daseinszweck. Oftmals profan. Das Gegenüber kann wechseln, Hauptsache die Aktion findet statt. Er soll uns anmachen, uns erregen, uns bestätigen, wie unwiderstehlich sexy wir sind. Der Mensch, mit dem wir es am liebsten treiben, kann uns in den siebten Himmel vögeln. Oder in den Wahnsinn.

So. Und jetzt alles zusammen, bitte!

Ratschhhhhhhhhh. Man stelle sich ein Stück Stoff vor, das geräuschvoll zerfetzt wird. Einen Filmriss. Das Kratzen eines Fingernagels auf der Wandtafel.

Wenn man das allgemeingültige „3 in 1“ Beziehungsmodell aufgeschlüsselt vor sich sieht, ist es ganz schön viel auf einmal, finde ich. Kein Wunder, suchen immer mehr Menschen den einmalig gut passenden Partner, die spezielle Beziehung jahrelang vergeblich.

Der Mensch merkt, es klappt nicht so richtig. Macht Versuche, das Dilemma zu lösen.

Vor einiger Zeit ging die Geschichte eines Nicht-Liebespaares durch die Presse. Die beiden lernten sich kennen und hatten das gleiche Ziel: einen Ehepartner finden. Sie mochten sich und beschlossen, zu heiraten. Ohne große Verliebtheitsgefühle. Einfach so. Scheint ganz gut zu klappen. Jedenfalls nicht schlechter als bei der Schmetterlinge-im-Bauch-Fraktion.

Neu ist der Trend, dass man sich zum Kinderkriegen zusammen tut. Also den Teil „Lebensgemeinschaft, Familie“ abdeckt. Ohne Verliebtheit. Oft auch ohne Sex. Aber mit Sympathie und Loyalität. Jedenfalls zwischen den beiden Lebenspartnern. Ich denke, hier handelt es sich um ein gesellschaftliches Bedürfnis, das endlich ein Ventil findet. Für Frauen tickt die biologische Uhr. Es gibt homosexuelle Männer, die sich eine Familie wünschen. Und gleichgeschlechtliche Paare, die gerne Kinder hätten. Auf der Webseite familyship.org kommen sie seit einigen Jahren zusammen.

Liebespartner + Lebenspartner + Sexpartner = Utopie?

Oder die einzig „wahre“ Möglichkeit? Bis vor nicht allzu langer Zeit hätte ich behauptet: nur in der Dreierkombination liegt der große Segen. Das Hollywood Nonplusultra.

Während ich noch darüber nachdachte, hatte es sich sacht auf meine Schulter gesetzt, das Glück. Einfach so. Unter Missachtung der „Dreier-Regel“ Leise und sanft. Dafür immerwährend. Loyal. Stark. Es hat meine Seele berührt. Mein Herz tanzt. Und meine anderen Körperregionen… ihr wisst Bescheid, schließlich lest ihr hier im Blog mit.

Ich begann, meine Umgebung genauer zu durchleuchten. Wie viele Menschen leben „zwei aus drei“ und sind glücklich? Wie viele haben alle drei in ihrem Leben? Mit einem einzigen Partner? Über lange Zeit? Und wonach sollte man nun streben?

Zwei aus Drei ist das schlecht?

Jeder muss für sich selbst entscheiden, was er wünscht. Ich sitze hier, glücklich wie ein Gummibärchen, und habe auch nicht so wirklich eine Ahnung. Vielleicht so viel:

Zu allererst darf der Mensch authentisch sein. Das erhöht die Chancen auf infernalisch guten Sex mit erdbebengleichen Orgasmen. Braucht anfangs vielleicht etwas Mut. Ist man erst „drin“ in der Schiene, wird man es nicht mehr anders machen wollen. Weil es einfach zu gut ist, um jemals wieder irgendwas Schales in Erwägung zu ziehen.

Selbstverantwortung ist unerlässlich. Zuerst müssen wir lernen, gut auf uns selbst zu achten. Nur dann können wir die Codes in unserer Umgebung entziffern und Menschen finden, die ebenfalls gut auf sich – und auf uns – achten.

Großzügigkeit und Geduld. Ich würde die Geduld als Grundlage wie einen roten Teppich ausrollen. Nicht alle Menschen sind wandelnde Selbstmarketingmaschinen. Die leisen Töne sind manchmal die wertvollen. Auch tiefe Liebe ist meiner Meinung nach etwas Zartes, Geräuschloses. Überhör’ sie nicht.

Und dann: die Großzügigkeit. Wir sind alle nur Menschen. Nicht perfekt, Gott sei Dank. Wäre ja auch langweilig. Fang bei dir selbst an. Entspann’ dich.

„3 in 1“ oder „2 aus 3 “?

Das Allerwichtigste: Egal welche Variante, sie soll dich glücklich machen. Und ich meine nicht „ein bisschen glücklich“ oder „wenigstens nicht ganz unglücklich“ oder „wenn doch nur …. wäre, dann…. glücklich“. Nein. GLÜCKLICH. Glück.Lich. Glüüüüücklich!

Für eine zweite Meinung, frag‘ Meat Loaf:

Two out of three ain’t bad

Songtext, deutsch:

Zwei von Dreien ist nicht schlecht

Baby, wir können die ganze Nacht reden.
Es wird uns aber nirgendwohin bringen. Ich habe Dir alles gesagt, was mir irgendwie wichtig ist.
 Es ist nichts mehr in mir übrig. Und Baby du kannst die ganze Nacht weinen, aber das wird die Art, wie ich fühle, niemals ändern. 
Der Schnee häuft sich ganz schön an da draußen, ich wünschte, Du würdest mich nicht wegschicken.

Ich habe es gedreht und gewendet. Ich habe versucht, Dir zu zeigen, wie viel Du mir bedeutest.
 Mir gehen die Worte aus und ich bin zu heiser zum Schreien. Aber du warst kalt zu mir, so lange. Ich weine Eiswürfel anstelle von Tränen. Und alles was ich tun kann ist es Dir immer und immer wieder zu sagen:


Ich will Dich. 
Ich brauche Dich.
 Aber es gibt keinen Weg, Dich jemals zu lieben.
 Sei nicht traurig, denn zwei von dreien ist doch nicht schlecht.

Du wirst niemals Gold an einem Sandstrand finden. Man bohrt nicht nach Öl in einer Großstadtstrasse.
 Ich weiß, Du suchst nach einem Rubin in einem Berg von Steinen.
 Aber es versteckt sich nun mal kein Coupe de Ville
am Boden einer Cracker Jack BoxIch kann nicht lügen.
Ich kann Dir nicht erzählen, was ich nicht bin.
 Ich werde niemals fähig sein, dir etwas zu geben, etwas, das ich einfach nicht habe.

Da ist nur ein Mädchen, das ich für immer lieben werde. Das ist viele Jahre her. Und ich weiß, ich werde sie nie aus meinem Herzen bekommen.
 Sie hat mich nie zurück geliebt, uh.. ich weiß.
 Aber ich erinnere mich, wie sie mich in einer stürmischen Nacht verlies.
 Sie küsste mich und verließ unser Bett. Ich bettelte und flehte sie an, nicht aus dieser Tür zu gehen. Sie packte ihre Taschen und wendete sich weg. 

Und sie hat mir immer wieder gesagt:
 Ich will Dich.
 Ich brauche Dich.
 Aber es gibt keinen Weg, Dich jemals zu lieben.

Cracker_Jack_bag

Für mich persönlich, ist LIEBE ein essentieller Bestandteil. Und Schokolade.

51 Gedanken zu “Glücklich wie ein Gummibärchen

      1. bodyguard4you sagt:

        Meat Loaf ist eh der hammer … aber besonders dieses stück hat es mir immer schon angetan … dieses *2 out of 3* und *objects in the rearview mirror * haben wir auch IMMER im programm wenn wir helden selbst mukke machen …

        einfach genial …

        soll ich die story dazu bei gelegenheit veröffentlichen?

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  1. ellasblickwinkel sagt:

    Ich denke, kein Mensch kann alle meine Bedürfnisse erfüllen. Kompromisse sind immer nötig um annähernd 3 aus 3 zu erreichen. In dem Fall fühlen sich Kompromisse nicht negativ behaftet an. Viele Leute stehen sich zu oft selbst im Weg. Es gibt diese genaue Wunschvorstellung von dem/der Traumpartner/in und alle Kriterien sollen bitteschön haargenau zutreffen. Aber wie das Wort schon sagt Traum und Wunsch… so versperren sich viele das Kennenlernen interessanter Menschen aus fadenscheinigen Gründen und je länger sie „Suchen“ desto größer die Ansprüche…

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  2. ☼Sigrid☼ sagt:

    Es hat was Beruhigendes zu wissen, dass ein PARTNER irgendwie alles sein kann, aber nicht gleichzeitig und nicht immer genau zeitlich passend zu den eigenen Bedürfnissen. Ohne Kompromisse geht es nicht und ich denke, es setzt auch jede(r) ganz eigene Prioritäten, abhängig von der jeweiligen Lebenssituation und der Lebenseinstellung an sich. So glaube ich kaum, dass für alle Menschen gilt, den perfekten „Sex-Partner“ zu finden oder jemanden der ununterbrochen „Schmetterlinge im Bauch“ versursacht, also den Liebespartner. Dem jeweiligen Lebensabschnitt entsprechend wird ausgesucht und wer Kinder möchte, der sucht nach anderen Kriterien als jemand, der „göttlichen Sex“ möchte. Und wer mit 65 noch einen Partner sucht, der möchte vor allem Zweisamkeit, gemeinsame Erlebnisse, gegenseitige Unterstützung, Verständnis für die Unzulänglichkeiten des Alters, wobei Sex durchaus ein Thema ist, aber sicher nicht wie bei hormongesteuerten jungen Menschen.
    Letztendlich wird man nur glücklich, wenn man bereit ist Kompromisse zu machen.

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    1. Devote Romantikerin sagt:

      Ist schon lustig. Man hat so ein Bild von Partnerschaft im Kopf und kommt gar nicht auf die Idee, das andere Menschen ein anderes haben könnten. Oder man hat das verinnerlicht, was uns unsere Kultur vorgibt. Und arbeitet sich dran ab, weil es irgendwie einfach nicht gelingen will.

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      1. majarrr1984 sagt:

        Hmm…. Ich hoffe wirklich dass man sich mal im realen Leben trifft um über genau das zu unterhalten…. Liebe??? Kein Arschloch???? Und ob! Nix anderes schafft es uns derart zu verletzten… Keine Energie dieser Welt schafft vergleichbare Resultate… Und wir tanzen ohne ende 😀

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        1. Devote Romantikerin sagt:

          Liebe macht das nicht. Es gibt da noch was anderes, das sich verdammt ähnlich anfühlen kann, und das für all den ganzen Mist verantwortlich ist. Es ist eine Art „Herzensnot“. Es ist mehr eine Lücke, statt eine Liebe.

          Mit der Liebe verhält es sich ähnlich wie mit „schwanger sein“. Wenn du es einmal erfahren hast, erkennst du es sofort wieder. Aber wenn du es noch nie erfahren hast, kannst du alles mögliche (andere) fälschlicher Weise dafür halten.

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      1. lysander2 sagt:

        3.2.1 meins. Ich weiß es selbst nicht. Die drei Säulen der Liebe hast Du sehr schön beschrieben. Man könne nicht alle drei haben? Vielleicht zeitweise schon und im Laufe der Zeit dann sowieso.

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      2. Devote Romantikerin sagt:

        Ich weiss nicht, ob man alle drei haben kann, lieber Lysander. Was ich glaube, gelernt zu haben: Man sollte achtsam sein, damit man das Glück erkennt, wenn es einem vor die Füsse fällt. Und nicht rumrennen wie eine ferngesteuerte Rakete, immer auf ein theoretisches Ziel ausgerichtet.

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  3. margauxnavara sagt:

    Sehr schön geschrieben!
    Außer dem Text von Meat Loaf, der zu meinen Lieblingssängern gehört und dessen Balladen ich ständig mitsinge, gefällt mri vor allem der zweite Teil:
    Authentisch-Sein, Selbstverantwortung und Geduld – drei wichtige Punkte, die von vielen unterschätzt werden. Man muss sich selbst lieben, muss selbstbewusst sein, muss kompromissbereit sein, dann klappt es auch mit 3 von 3!

    Danke für den Text.

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  4. wusel sagt:

    Interessant zu lesen. Macht nachdenklich.und bringt mich zum lächeln. Vieles doch eher richtig gemacht.
    Vielleicht scheitern auch viele Beziehungen, weil es am Teamführungsmangel und falschem Ego liegt. Stichwort: gemeinsam den Haushalt wuppen. Hört man viel zu oft Beschwerden, dass Sie alles alleine machen muss. hmm..denke ich mir: dummer Kerl.
    nach einem Moment nachdenken fällt mir da ein WA Gespräch mit wem ein: „man, zum Dank blase ich Ihm dann morgens einen.“
    Da ging es um was anderes. Aber ich glaube so in die Richtung würde das doch auch bei manchen „NichtHaushalthelfer“ passieren.
    Oder haben zu viele keine Fantasie, selbst sowas zu einem Erlebnis zu machen, dass man hinter her nur noch…?
    Kompromisse muss man doch immer eingehen, oder nicht? wie viele mögen sich eigentlich nicht bewegen, beim Sex wird….

    Aber ich kann genaugenommen zu Beziehungsdingen soviel sagen, wie zur Kindererziehung…nüscht. fast nur theoretisch.

    Ich würde mir sehr wünschen, dass sich alle 3 Dinge finden lassen…..

    Gefällt 1 Person

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