Rotbäckchen, Tag 5

Melena

Mein süsses Baby sitzt aufrecht vor ihrem Toilettenspiegel, bekleidet mit einem wundervoll durchscheinenden Nichts, dass sich Nachthemd nennt. Ihre jungen Brüste stehen keck und fest hervor, die zarten Schulterblätter wirken so verletzlich. Ihre lange Haare trägt sie kunstvoll hochgesteckt, so das ich den zarten Flaum in ihrem Nacken sehen kann. Ich stehe hinter ihr und massiere ihr die müden Schultern.

„Wie war dein Tag, Kleines?“

„Wundervoll, Daddy. Ich war …. äh…. ich habe ein wenig gestrickt, und auch weiter französisch gelernt. Und mich in der Kunst des eleganten Ganges geübt“.

Ihr Blick im Spiegel sucht den meinen, doch kann klappt sie schnell die langen schwarzen Wimpern nach unten. Ein wenig verschämt, würde ich meinen.

Mein innerer Dom grinst, während der Daddy sanftmütig fragt: „Bist du sicher, dass du mir alles erzählt hast?“ Erfahrung macht klug.

Ihre Wangen röten sich, sie rutscht vor Verlegenheit ein wenig auf dem Stuhl hin und her. Meine Hände liegen nun ruhig auf ihren Schultern. Mit den Daumen übe ich leichten Druck rechts und links ihrer oberen Wirbel aus und zwinge sie so, den Rücken durchzustrecken.

„Nun ja…“

„Erzähl‘ deinem Daddy alles, Baby. Du weisst, dass du immer ehrlich sein musst!“

„Ja, ich …ich…“

Mein Blick streift über ihr goldblondes wundervoll langes Haar und will schon weiter wandern als ich …. „Was ist das?“ frage ich mit gerunzelter Stirn, während ich an dem kleinen grünen Teil ziehe, das sich in ihrer Mähne verfangen hat. Hervor kommt…. ein Efeublatt.

„Melena! Du weisst, dass es strikte untersagt ist…“  – „Bitte bitte Daddy, ich ..ich ..darf ich dir erzählen, wie es geschehen ist? Bitte!“ Sie war aufgesprungen und vor mir auf die Knie gefallen, wo sie nun inbrünstig meine Beine umarmte und flehentlich zu mir aufschaute.

„Da bin ich aber mal gespannt. Also, schiess los. Und lass‘ nichts aus!“

„Eigentlich wollte ich nur ein wenig zum Fenster hinaus schauen, echt. Ich weiss, ich hätte nicht sollen. Meine Stricksachen sind im hinteren Teil der Stube und…aber Daddy, die Sonne strahlte so verführerisch herein und ich dachte ’nur ein klitzekleines bisschen hinaus schauen, bevor ich mit meinen Arbeiten beginne‘. Aber dann ging es wieder los. Warum kommen sie auch alle hier her? Gibt’s sonst nirgends einen Turm? Warum fordern sie mich so heraus?

Jedenfalls, ich hörte dieses seltsam quakende Geräusch, und dachte erst, es käme aus dem kleinen See im Wald. Aber dann stand da dieser schmächtige Kerl mit diesen schwarzen, langen, gewellten Haaren, die sein schmales Gesicht einrahmten. Der hatte Glubschaugen! Er faselte etwas von seiner gemeinen Freundin. Erst spielt sie mit ihm und ist zuckersüss. Und dann wandelt sie sich um 180 Grad und schmeisst ihn an die Wand. Irgendwas von Persönlichkeitsstörung hat er gequakt, aber er liebt sie halt so. Der tat mir leid. Echt. Bei dem hab‘ ich nix gemacht. Ich schwöre. Nur ein bisschen mit ihm geredet. Und ihm beigepflichtet, dass er sich das mit der Hochzeit nochmal überlegen soll.

Kaum war ich den los, kam ein anderes Kaliber vorbei. Ziemlich gruftiger Typ, das. Hat seine Freundin in einem Sarg kennen gelernt, und sie an Ort und Stelle mitgenommen. Unterwegs ist das Ding runtergefallen  und die Kleine ist aufgewacht. Echt, die Vegetarier immer mit ihren Schluckproblemen! Jedenfalls, er hat ihr einen Heiratsantrag gemacht. Jetzt sei er unterwegs zum Fest, posaunt er, und ob ich ihn nicht nach oben lassen wolle. Ich könne ihm einen Kaffee machen und meine Briefmarkensammlung zeigen. Daddy! Was hättest du gemacht? Ich konnte einfach nicht widerstehen. Wie sollte er auch ahnen, das meine Locken, wenn ich sie runterlasse, ein Stück weit wieder zurück springen, wegen der gewellten Form. Es war zu köstlich, wie er danach griff, und schwupps…Locke weg und der Kerl, mit seinem gross-spurigen Gesicht voran, im Lehm. Was hat der geflucht! Jetzt kann er besudelt an seiner eigenen Hochzeit aufkreuzen. Ich finde, das passt!

Danach stolperte mal wieder der ewige Gärtner durch’s Dickicht und unter mein Fenster. Ich nenne ihn so, weil er schon seit Jahren mit der Heckenschere rumläuft. Der ist vielleicht närrisch verliebt! Die ganze Zeit versucht er durch das Gestrüpp ums Schloss zu kommen und die schlafende Prinzessin zu wecken. Du weisst schon, oder? So ein Durchhaltewillen! Aber als dann plötzlich mein Haar in der Nähe seines Gesichtsfeldes baumelte, lies er die Heckenschere einfach los und griff danach. Und schwups…natürlich war ich schneller. Das war lustig. Sein verdutztes Gesicht. Er hat sich dann entschuldigt. Ich verstehe das ein bisschen. Ich meine, 100 Jahre! Wenn der überall solch‘ eine Ausdauer an den Tag legt!“

„Meine Süsse, da war ja heute wieder viel los unter deinem Fenster. Doch du weisst, dass ich dir verboten habe, die jungen Burschen zu necken. Was sollen sie von uns denken?“

„Ach Daddy, manchmal juckt es mich einfach in den Haarsträhnen. Ich kann gar nichts dafür. Es war dann übrigens noch einer da. Mit einem gläsernen Schuh. Die ganze Zeit meinte er, ich solle runter kommen, und den Schuh anprobieren. Also echt! So einen schrägen Anmachspruch habe ich schon lange nicht mehr gehört. Und dann nur ein einzelner Schuh! Welche Frau würde sich wohl für einen einzelnen Schuh begeistern, aus Glas oder aus sonstwas? Das ist doch totaaal frustrierend, wenn er dann schön ist, und es gibt nur einen davon! Also, auf sowas würde ich sicher nie reinfallen!“

Ich muss innerlich lächeln über ihre kindliche Unschuld. Doch ich lasse mir nichts anmerken und setze mein strenges Gesicht auf. „Mein kleines Mädchen, ich verstehe, dass es nicht ganz einfach ist für dich. Es ist halt verlockender, mit den dummen Jungen ein neckisches Spiel zu treiben, als dich deiner Stickarbeit zu widmen. Sicher wirst du verstehen, dass das trotzdem Konsequenzen haben muss!“.

Sie schaut mich mit ihren riesigen dunkelbraunen Augen an und schiebt beleidigt die Unterlippe ein wenig nach vorne. Ich sehe ihr scharf in die Augen. Dem kann sie nicht lange standhalten. Trotzig springt sie auf und marschiert Richtung Bad. Sekunden später ist sie mit der Bürste zurück. Ich nicke gnädig, als ich sie entgegen nehme, und dann befehle:

Rapunzel, lass‘ dein Haar herunter!

Und dann bück‘ dich!

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Info: Daddy’s und ihre Littles, oder Babies, geniessen eine BDSM Spielart. Alle Beteiligten sind entscheidungsfähige Erwachsene.

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21 Gedanken zu “Rotbäckchen, Tag 5

    1. Devote Romantikerin sagt:

      Zuerst mal: lieben Dank für das Kompliment, Kari.

      Ich schreibe zum Vergnügen. Es macht mir einfach tierisch Spass.

      Meine Phantasie ist lebhaft und ich entspanne mich dabei, wenn ich …beispielsweise… Prinzen in Pfützen plumpsen lasse, Zeitebenen und Spielebenen vermische, Anspielungen auf dies und das in die Texte einflechte 😉

      Es ist oft unvernünftig, doch wenn Geschichten in meinem Kopf sind, gebe ich dem eine sehr grosse Priorität und bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit schreibe ich sie auf.

      Nachdem ich die Idee für die Rotbäckchen-Mini-Serie hatte, entstanden noch in der gleichen Nacht Teil 1, 2 und 3.

      Und ja: sehr oft sollte ich die Zeit anders nutzen. Allein… ich bin ein disziplinloses Mädchen 😉

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  1. karimausi sagt:

    Ich schreibe auch zum Vergnügen und es macht mir tierisch Spaß.. trotzdem schaffe ich es nicht mehr als ein oder zwei Beiträge im Monat zu Papier zu bringen…..
    Vielleicht lese und kommentiere ich einfach zu viel bei Anderen und ich sollte die Zeit lieber zum selber schreiben benutzen… Ach ne.. da macht auch zu viel Spaß… *gggg*

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    1. Devote Romantikerin sagt:

      Lächel…. vielleicht kannst du dich auch einfach entspannen, weil alles perfekt schön ist, so wie du es machst? 😉

      Ich meine, den einen oder anderen Follower hast du ja 😉
      Und ich wiederum bewundere dies sehr, ebenso wie die Tatsache, dass du schon seit mehreren Jahren konstant präsent bist.

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      1. karimausi sagt:

        Ich weiß… ich weiß… eigentlich alles gut wie ich es mache, ABER ich hab immer ein schlechtes Gewissen weil ich so wenig schreibe – und wenn ich dann von 105 Beiträgen in einem Jahr lese, oder wie bei dir im Moment jeden Tag einer erscheint… du kennst doch bestimmt auch diese Gefühle, die eigentlich keinen Grund habe, oder? 😉

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