Bilder der Leidenschaft

Ein befreundeter DJ berichtet mir, dass er während Gigs immer wieder von den anwesenden, ihm unbekannten Frauen, Bilder ihrer intimsten Körperteile per sms zugesendet erhält.

In der Novella eines BDSM-Autors wird  der männliche Hauptdarsteller beschrieben, wie er beim Sex ganz bewusst das Handy zum Filmen aufstellt, um nachher alle Szenen nochmals beobachten zu können.  Aufgrund der Erzählung ist anzunehmen, dass die Frau die Aktion mitbekommen haben wird und es stillschweigend akzeptierte. Jedenfalls war sie weder wehrlos gefesselt, noch waren ihr die Augen verbunden, noch legte der Protagonist grossen Wert auf das Verstecken seiner Handlung.

Annie Leibovitz fotografierte für den neuen Pirelli Kalender ausnahmslos starke Frauen. Echte, unperfekte, mal mehr, mal weniger nackte Frauen. Sie sagt, sie habe während der Arbeit zu keinem Zeitpunkt die Perspektive der Männer im Blick gehabt. Herausgekommen ist – für mich – eine neue, legendäre Ausgabe des Kalenders und ich hätte sehr gerne ein Exemplar davon. Man mag diskutieren, ob es nicht, wie üblich, die wunderschönen Topmodells in verführerischen Posen hätten sein sollen. Auch mir geht es so, dass ich auf Fotos im Internet sehr gerne perfekt schöne, verführerische, makellose Frauen sehe. Ich habe mir einige Gedanken gemacht, warum mich Bilder von „gewöhnlichen Frauen“, wie du und ich, manchmal unangenehm berühren. Sie gehen mir zu nah, sind zu intim. Da wurde ein echter Mensch in einer vermutlich sehr authentischen Situation auf eine Art abgebildet, die ihn verletzlich macht. Hingegen sind die Models gestyled, „künstlich“, sie „stellen die Szene“.

Die Kommentare unter den Presseberichten zum Pirelli Kalender waren teils zum …rückwärts essen. Da wurde von „Wellfleisch“ und Schlimmerem gesprochen. Ich hätte nicht übel Lust, gegen solche frauenverachtenden, diffamierenden Aussagen gerichtlich vorzugehen. Frauen sind Menschen, keine Nutzgegenstände! Und die Dumpfbacken, die solche Äusserungen machen, sind wahrscheinlich hässliche, stinkende Typen mit unterdurchschnittlichem IQ, die im richtigen Leben kaum je eine Frau abbekommen. Und, notabene, aufgrund ihrer Erfolglosigkeit, wohl auch niemals in den seltenen Besitz eines Pirelli Kalenders gelangen.

In einem Internetforum fragte eine sichtlich aufgewühlte Frau um Rat. Sie pflege nackt zu schlafen. Nun hätte sie durch einen dummen Zufall entdeckt, dass ihr Freund Grossaufnahmen von ihr auf seinem Computer gespeichert hat. Perspektive: Von unten, direkt zwischen ihre Beine. Sie war entsetzt und verunsichert. Als sie den Freund zur Rede stellte, tat es ihm leid. Er habe sie immer so sexy gefunden und hätte sie nicht wecken wollen, um zu fragen, ob er das Foto machen darf. Er hätte es ihr sagen wollen, doch irgendwie war nie der richtige Zeitpunkt.

Eine befreundete, in der Therapie beschäftigte Person, erzählte mir, dass „unerlaubtes Fotografieren“ sogar ein Thema bei einer der letzten Ausbildungen gewesen sei. Geschildert wurde ein Fall, bei dem der Partner seine Freundin heimlich ablichtete, als sie duschte. Nachdem es herauskam, gab es verschiedene Gespräche. Das Vertrauen der Frau konnte jedoch nicht wieder hergestellt werden und es kam zur Trennung.

Der freundlich-penetranten ( ;-), verzeih‘ mir, C.) Einladung eines virtuellen Freundes folgend, habe ich einen Account auf einer kostenlosen Pornovideoseite (die mit dem kleinen Nagetier im Namen) erstellt. Zu x-welchen Themen können kürzere und längere Sexvideos angeschaut werden. Die Lieblingspornos kann man im eigenen Profil speichern.

Einmal schaute ich ein Video, es hiess „Hidden Camera“, oder so. Das ist eine ganze Serie. Der Mann trägt eine Brille mit eingebauter Kamera. An einer Bushaltestelle spricht er eine Frau an und versucht, sie zu sich nach Hause zu locken. Aufgrund ihres Zögerns beginnt er, ihr Geld zu bieten. Er überredet sie, in der Nähe in die Büsche zu gehen und für 200.– einen Blowjob zu machen.  Dort angekommen, bringt er sie dazu, dem  „vollen Programm“ zuzustimmen. Das Angebot beträgt jetzt  1000.–. Die Frau willigt ein und hat Sex mit ihm. Sie macht alles, was er von ihr will, die Kamera filmt die ganze Zeit mit, ganz bestimmt ohne das Wissen der Frau. Als er mit ihr fertig ist und seinen Samen in ihr Gesicht gespritzt hat, wirft er ihr zwei Hunderter auf den Bauch und haut ab, nicht ohne vorher noch einige widerliche Bemerkungen über sie und ihren Wert loszulassen und hämisch zu lachen.

Ein weiteres Video war in der Frauendusche eines öffentlichen Schwimmbads aufgenommen, man konnte all die Frauen, die sich dort nackt duschten, unbemerkt bei ihrer Körperhygiene beobachten.

Bilder der Leidenschaft?

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Oder:

Bilder, die Leiden schaffen?

27 Gedanken zu “Bilder der Leidenschaft

    1. Devote Romantikerin sagt:

      Bei den statischen Bildern sehe ich es ebenso wie du – falls sie in gegenseitigem Einverständnis aufgenommen wurden.

      Das Filmen und nachher Anschauen des eigenen Sex kann heiss sein, klar. Aber mal ehrlich: Wie gut kann eine Frau abschalten, wenn sie weiss, dass sie aufgenommen wird? Und selbst wenn das funktioniert, garantieren wir uns mit dem Filmen nicht selbst, dass es „purer Sex“ wird? Wie geil auch immer, der spezielle Zauber, der zwischen zwei Menschen, die völlig ins Liebesspiel versunken sind, wird wohl eher nicht auftauchen…

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  1. Sunny sagt:

    Die Verbreitung unauthorisiert aufgenommener Bilder diese Art stellt aufgrujdndes massiven Eingriffs in die Persönlichkeitsrechte des heimlich gefilmten Opfers eine Straftat dar.
    Der BGH hat jüngst geurteilt, dass selbst Sexbilder, die nicht verbreitet wurden und sogar mit dem Wissen des Aufgenommenen gemacht wurden, nach dem Ende der Beziehung zurückgegeben werden müssen und keine Kopie / Datei dieser Bilder mehr beim Filmer verbleiben darf.

    Nebenbei: Wie krank muss man sein, auf solche Ideen zu kommen?

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    1. Devote Romantikerin sagt:

      Das mit der gesetzlichen Pflicht zum Zurückgeben von Privatbildern wusste ich nicht, finde ich aber super.

      Krank ist das mit den heimlich gefilmten Pornovideos definitiv. Und gleichzeitig eine Riesengeldmaschine. Gesellschaftlich scheint das gebilligt zu werden..

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      1. Sunny sagt:

        Gesellschaftlich akzeptiert?
        Keine Ahnung. Ist ein Bereich, der mich Null interessiert.

        Die gesetzliche Pflicht zur Rückgabe der Bilder ist eine Holschuld, keine Bringschuld! Entscheidender Unterschied.
        Die fotografierte Person muss die Herausgabe der Bilder fordern. Der Fotograf muss ohne Herausgabeforderung nicht in vorauseilendem Gehorsam ungefragt liefern.
        Wenn allerdings die Herausgabe gefordert wird, muss der Fotograf umgehend und umfassend herausgeben.

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  2. Corwin sagt:

    Das heimliche Filmen und Fotografieren ist schon ziemlich krank, mehr muss man dazu nicht sagen. Meine Herzfrau und ich ziehen hingegen großes Vergnügen daraus, uns gegenseitig in intimen Situationen zu fotografieren. Es ist Teil des Spiels und eine Möglichkeit, die Perspektive des Anderen zu erleben. Es ist aber auch eine Vertrauensfrage. Aber ohne Vertauen kein Spiel. 😀

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  3. 🔆Sigrid🔆 sagt:

    Fotos oder kleine Videos intimer Situationen sind erregend und bringen Abwechslung in lange Beziehungen. Man erlebt sich dann als „Zuschauer“ oder „Voyeur“ und das macht den Reiz aus. Wir achten aber immer darauf, solche Aufnahmen wieder komplett zu löschen, weil ich niemals wollte, dass die irgend jemand sonst in die Hände bekommt. Aber ungefragt würde ich das auch nicht akzeptieren.

    Was du weiter oben schreibst, dass „normale“ Frauen mit normalen Figuren und Problemzonen von Männern herablassend beurteilt werden, zeigt mal wieder, dass die Menschen durchs Internet und Pornofilme total „versaut“ sind – ich meine in dem Sinne, dass viele noch nicht mal Sex hatten in jungen Jahren, aber ALLES schon gesehen haben auf Videos und dann maßlos enttäuscht sind von den eigenen Sexerfahrungen. Genauso ist es mit den perfekten Frauen ohne Makel in den Videos oder auch auf Fotos. Viele können sich ja auch nicht vorstellen, dass Sex auch im reifen Alter noch viel Spaß machen kann – mit Falten, hängender Brust, Speckröllchen! Die perfekt schönen Frauen und Männer sind wunderschön anzusehen, haben aber nichts mit der Realität zu tun.

    Wünsche dir noch einen schönen Sonntag ♥ Liebe Grüße ☼Sigrid☼

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  4. JanJan sagt:

    Bilder oder auch Videos zu veröffentlichen womit mindestens EINER der Gezeigten nicht einverstanden ist oder gar nichts davon weiß, ist ein absolutes No GO! Würde ich auch nie und nimmer verzeihen. Bilder beim Sex machen, um sie selbst (zusammen) anzusehen oder der Welt zu zeigen… dazwischen liegen Welten!

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  5. hataibu sagt:

    Das Wesentliche zu diesem Thema wurde schon ein paar mal in den Kommentaren gesagt. Ich möchte das nur noch ein bisschen ausdehnen:
    Alles was in einer Beziehung passiert, geht nur die Beteiligten etwas an. Und zwar nicht nur solange die Beziehung besteht, sondern auch darüber hinaus. Ohne gemeinsamen Beschluss darf nichts davon an die Öffentlichkeit, und insbesondere auch nicht an spätere Partner gelangen. Das beschränkt sich nicht nur auf Bilder und Videos, sondern gilt auch für mündliche Berichte über Beziehungsdetails, und nicht nur solche mit sexuellem Bezug. Eine Beziehung, auch eine gescheiterte, sollte so heilig sein, sonst ist sie wenig wert.

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  6. waldstern sagt:

    Nun ja, unstrittig Bilder der Leidenschaft aber zugleich auch unstrittige Persönlichkeitverletzungen.

    Gleichwohl, gestatte mir, dass ich zwei Paradoxien aus deinem Text aufgreife, die bislang nicht aufgegriffen worden sind.

    Spannend finde ich ja zum einen den von dir angesprochenen Aspekt, dass dich Bilder von gewöhnlichen Frauen manchmal unangenehm berühren. Die einschlägigen Frauenmagazine von Brigitte, Für Sie, etc. hatten es ja schon probiert und ungeschminkte Schönheiten abgelichtet. Die Auflage ging zurück. Die Frauen kaufen diese Zeitschriften nicht mehr. Andererseits sollen weibliche Selbstwertzweifel aus der Existenz solcher Frauenzeitschriften resultieren. Das klingt auch schlüssig, denn wenn frau sich immer so Hochglanz-Schönheiten anschaut und sich zugleich selbst betrachtet, dann bleibt sicherlich irgendwann etwas hängen, was dann zu Selbstwertzweifeln wird führt. So sieht nun einmal keine Frau aus. Irgendwie komisch, denn sie kaufen trotzdem solche Zeitschriften. Vor allem, da ich schon einmal las, dass die bessere Orgasmusfähigkeit von irgendwelchen Frauen aus der mongolischen Wüste oder lateinamerikanischen Regenwaldgebieten aus dem Fehlen solcher, unrealistischer Frauenbilder transportierender, Zeitschriften resultiert.

    Ein weiteres Paradox ist dieses Verhalten, sich eine Dienstleistung zu kaufen und danach den Dienstleister herunter zu machen. Ich beziehe mich auf dein Beispiel „Hidden Camera”, wo der Protagonist widerliche Bemerkungen über sein Gegenüber und ihren Wert ablässt und noch anfängt hämisch zu lachen. Klar es ist die eigene Minderwertigkeit des Handelnden, seine mangelnde Selbstsicherheit. Aber es ist doch komisch, eigentlich müsste die Person doch von tiefer Dankbarkeit erfüllt sein und eben nicht den anderen runter machen.

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    1. Devote Romantikerin sagt:

      Lieber Waldstern, zu den Paradoxien: Ich erklärte ja, warum ich bei öffentliche erotischen Bildern gerne „Hochglanzfotos“ habe. Diese empfinde ich als weniger intim. Für mich ist es ein Unterschied, ob eine Frau dreidimensional in ihrer Leidenschaft von einem Mann gesehen und wahrgenommen wird. Oder ob sie „kalt“ aufgrund eines Computerbildes nach Perfektion abgescannt wird.

      Das zweite Paradox scheint so alt wie unsere Gesellschaft zu sein, was es nicht weniger bescheuert macht. Das Madonna-Hure-Syndrom fällt ebenfalls in diese Kategorie. Geschichtlich gesehen musste die Frau schon seit Eva’s Verleumdnung (du weisst schon, die Geschichte mit dem Apfel) immer wieder als Sündenbock herhalten.

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      1. waldstern sagt:

        Ja die Geschichte mit dem Apfel. Schon spannend. Der Mann hüte sich vor Frauen mit Äpfeln in der Hand. Warum ist das eigentlich so? frage ich mich gerade. kennst du zufälligerweise einen historischen oder soziologischen oder psychologischen Hintergrund?

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  7. rdesade sagt:

    Ich kenne das Schweizer Recht nicht.Ganz rückständig werden die aber beim Thema rechte der Frau auch nicht sein. In Deutschland gibt es das Recht am Bild. Das gilt sowohl für Frauen als auch für Männer. Es ist der Ausfluss des allgemeinen Persönlichkeitsrechtes. Danach ist es Sache des auf dem Bild abgebildeten, ob es veröffentlicht wird oder nicht. Unabhängig davon sollte jeder soviel Achtung vor seinem Mitmenschen haben, dass er ihn weder ohne sein Einverständnis erniedrigt noch bloßstellt. Das gilt für Frauen und für Männer. Eigentlich ist es traurig, dass darüber noch ein Blog verfasst werden muss, aber offensichtlich notwendig.

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    1. Devote Romantikerin sagt:

      Ich glaube, zu dem Thema beginnen die gesellschaftlichen Auffassungen auseinander zu fliessen. Wie gesagt empfinden es anscheinend manche Frauen als „normal“ ihre Intimfotos an Wildfremde zu senden und Männer können wir selbstverständlich beim Sex die Kamera aufstellen.

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  8. Ronja sagt:

    Heimlich fotografieren, heimlich filmen geht gar nicht.
    Jede/r hat doch das Recht auf sein / ihr eigenes Bild. Das allein schon erfüllt im Regelfall den Anspruch eines Tatbestandes. Ausserdem ist es einfach unhöflich und gehört sich nicht.

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