Die Geschichte mit dem Apfel

Aber hallo, das ist doch eine Feige!

So ist es.

In den Kommentaren zum Artikel Bilder der Leidenschaft stellte mir Waldstern folgende Frage:

„Ja die Geschichte mit dem Apfel. Schon spannend. Der Mann hüte sich vor Frauen mit Äpfeln in der Hand. Warum ist das eigentlich so? frage ich mich gerade. Kennst du zufälligerweise einen historischen oder soziologischen oder psychologischen Hintergrund?“

Den kenne ich ein wenig, lieber Waldstein.

Der Apfel galt schon von jeher als Metapher für Fruchtbarkeit, Reinheit, Weiblichkeit. Aber auch als Symbol für Begehren und Verführung. Die Kirche hat den biblischen Sündenfall (meist mit dem Biss in den Apfel assoziiert) zum Anlass genommen, die Frau, das Weibliche, als Gefahr darzustellen, welche den guten, gottestreuen Mann verführt und vom rechten Pfad abbringt.

Deshalb die (vermeintliche) Keuschheit der Priester. Je weiter weg von der „Sünde“ aka Frau, desto gottesnäher. Oder so. Um nur ja nicht vom weiblichen Bösen verführt zu werden. Ihren eigenen krank-sadistischen sexuellen Neigungen konnten die „Herren der Schöpfung“  ungestraft nachzukommen. Sie erfanden perfider Weise gleich auch noch die Hexenverfolgung und die Scheiterhaufen dazu.

Die christlichen Religionen sind nicht die einzigen mit diesem grausigen Paradox: Die Frau wird verteufelt. Während man diesem „bösen Weiblichem“ oft kaum mehr als ein wenig Kräuterkunde oder das Bedürfnis nach fairer, gleichberechtigter Behandlung anlasten kann, agiert das gottesfürchtige Männliche in brutaler, krimineller Weise gegen die herbei geredete „Gefahr“. Sogar die eigene Dauergeilheit lasten sie den Frauen an und wenn sie sich an ihnen vergehen, sind wiederum die Frauen schuld.

Tatsächlich wurden Frauen früher, also in Zeiten vor dem biblischen Sündenfall, als Lebensspenderinnen verehrt. Auch in der katholischen Kirche hatten sie lange ihren Platz mit der verehrten Mutter Maria. In lateinischen Ländern ist es auch heute noch vermehrt so, dass die Menschen in der Kirche Mutter Maria besuchen, zu ihr beten und ihr Gewand anfassen. Ganz generell hat man aber Frauen, das Weibliche, mit der „heiligen Dreifaltigkeit“ (Der Vater, der Sohn, der heilige Geist) „rausgemobbt“.

Aber gut, bleiben wir nochmals bei Adam und Eva und warum diesen Artikel eine Feige ziert. Die verehrten libidinösen Lesenden meines Blogs muss ich vermutlich nicht extra darauf hinweisen, an welches schöne Körperteil uns diese herrlich schmeckende Frucht erinnert. Und da Adam und Eva, kaum hatten sie von der verbotenen Frucht genascht, die Augen geöffnet wurden, sahen sie sich das erste Mal nackt und waren beschämt. Sogleich bastelten sie sich aus Feigenblättern die ersten Tangas. Die Tatsache, dass Feigenblätter zur Hand waren, legt nahe, dass die beiden unter einem Feigen- und nicht unter einem Apfelbaum gestanden hatten. Der Apfel wurde eventuell später „dazu erfunden“, aufgrund seiner symbolischen Bedeutung. Bekannt ist das nicht. In der Bibel wird meines Wissens nicht explizit erwähnt, um welche Frucht es sich handelte. Es war einfach der Baum der Weisheit.

Warum wird aber das Weibliche seit langer Zeit und vieler Orts „verteufelt“? Mir fallen zwei Punkte ein:

. Machtstreben

Wenn du die eine Hälfte der Menschheit schonmal ausschaltest, bleiben für dich selbst die grösseren Pfründe. Gleichzeitig kannst du alle Verantwortung abschieben auf die vermeintlichen Sünder. Ist doch ein klasse Konzept, oder?

. Angst

Männer und Frauen sind verschieden. Wenn etwas anders ist als du, bring‘ es am besten unter Kontrolle, damit dir seine Andersartigkeit nicht solchen Schiss macht.

Ich muss grade lächeln bei der Vorstellung. Wenn ihr eines nie schaffen werdet, ihr lieben Männer, dann ist es, die nächste Reaktion einer Frau voraus zu sehen…

 

 

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20 Gedanken zu “Die Geschichte mit dem Apfel

  1. alleinsein1974 sagt:

    und dabei hat sie etwas sehr menschliches getan die Eva…..sie dachte sie hält etwas ganz Besonderes in der Hand nämlich die Frucht der Erkenntnis….meine Frage: Wenn ich jemanden liebe ist es dann nicht normal etwas Besonders zu teilen. Und ja du hast Recht, es wird davon ausgegangen,dass es ein Feigenblatt war….Äpfel wie wir sie kennen gab es nicht….ggf könnten es Granatäpfel gewesen sein- wenn überhaupt….

    Ich finde sie ist nicht eine böse Verführerin sondern eine Frau die liebt. Und Adam kannte das Gebot genau wie sie. Verführt hat nur die Schlange*lol*

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  2. Master Dan sagt:

    Die Feige (Lat. Ficus) ist im italienischen Raum für immer mit der weibliche Genitalien verbunden.
    Im Italienisch wird das mehr oder weniger abschätzend „Fica“ häufig als Bezeichnung verwendet.
    Was genau mit Adam und Eva geschehen ist werden wir wohl nie erfahren. Die Überlieferung ist doch sehr wahrscheinlich durch Übersetzungen und Dichtung über die Jahre verfälscht worden.
    Wer weiss was wirklich passierte?
    Ich glaube nicht das die zwei nur Spazierten und verstecken gespielt haben im garten Eden, Schlagen hin oder her…
    Abgesehen davon, wie langweilig hätten wir es, ohne die Sünde?…

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      1. Master Dan sagt:

        Nee, „ficken“ ist kein lateinische Neologismus. Das bedeutete ursprünglich „hin und her bewegen“ und anscheinend kommt es von den Schmieden. Schwerter wurden „gefickt“ heißt geschliffen in den man sie in ein Sandsack stieß, um Schmiederückstände zu entfernen.

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  3. waldstern sagt:

    Vielen Dank, dass du meinen Gedanken aufgegriffen hast

    Also der Aspekt der Macht, klingt zwar schlüssig, doch ich glaube nicht daran. Natürlich sagt man, dass Männer machtbewusst seien. Nach allgemeiner Auffassung über die Männlichkeit an sich, hat ein Mann an persönlichen Konflikten und an Konkurrenzsituationen und Machtspielen Spaß und gewinnt daraus einen positiven Antrieb für sich. Nur, dazu kenne ich einfach viel zu viele Männer, die konsensorientiert sind, die faul oder lethargisch sind, die solchen Spielen aus dem Weg gehen.

    Und auch das mit der Angst mag ich nicht glauben.

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      1. waldstern sagt:

        Ich weiß es nicht.

        Eine Theorie, die von den Linken vertreten wird, ist das Erbrecht. Danach schuf der Mann als Jäger und Sammler Werte, die er an seine Abkömmlinge weitergeben möchte. Hierfür benötigt er Gewissheit über sein Reproduktionsergebnis. Dies gelangt er nur, indem er die Frau unterdrückt.

        Diese Theorie ist mir jetzt aber auch ein bisschen zu abstrakt intellektuell.

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          1. waldstern sagt:

            Ach herrje …
            ja, besser als diese kapitalismuskritische Theorie, dass die Bildung von Eigentum und der Wunsch nach Vererbung des angeschafften Vermögens, mit der Unterdrückung der Frau einhergeht, finde ich beispielsweise den soziobiologischen Ansatz. Danach wird die Frau durch den Mann unterdrückt, um den evolutionär angetriebenen Paarungserfolg zu sichern. Wenn die Frau sexuell frei wäre, hätte der Mann ein Problem mit der Umsetzung seines eigenen biologischen Auftrages.

            Die Aufwendungen für die Fortpflanzung sind bekanntlich asymmetrisch. Frauen können niemals so viele Kinder gebären, wie Männer zeugen können. Dazu kommt der hohe Reproduktionsaufwand der Frauen für Schwangerschaft, Geburt und Laktation. Dieser bedingt unterschiedliche Lebensstrategien und deshalb unterschiedliche Motivationslagen und führt zu dem ewigen Krieg der Geschlechter. Die Frau wählt einen entsprechenden Mann, der sie bei ihrem biologischen Auftrag unterstützt. Der Mann wiederum unterdrückt die Frau und zwingt sie zur Kooperation, damit sie sein gewolltes genetisches Interesse erfüllt. Hierzu wird von ihm das „böse Weibliche verteufelt„, indem der Mann die Frau zu einer monogam-keuschen Lebensform mit sexueller Exklusivität für sich zwingt.

            Du hast sicherlich schon mal davon gehört, dass sich Frauen häufig nach der Geburt des zweiten Kindes sexuell von Ihren (Ehe)partnern abwenden. Begründet wird dies in den Paartherapien mit dem Stress der Kindererziehung, Haushaltsthemen und irgendwelchen eingefahrenen Beziehungsstrukturen und Lebenswelten. Aus soziobiologischer Sicht ist das aber nicht der Grund. Vielmehr läuft bei der Frau ein archetypisches Programm ab. Der genetische Auftrag ist abgearbeitet. Die Libido wird nicht mehr benötigt und schläft ein. Mit einem neuen Partner macht sich ihre Libido dann wieder bemerkbar.

            Wenn nun das „böse Weibliche“ nicht eingeschränkt, sondern von der Gesellschaft zugelassen würde, geraten Strukturen durcheinander. Insofern ist es wohl doch eine Machtfrage, nur keine individuelle des Mannes, sondern eine gesellschaftliche zum Erhalt der Strukturen in einer männerdominierten Gesellschaft.

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  4. Devote Romantikerin sagt:

    Mir fällt vor allem eines auf: Es ist unheimlich schwer, die Unterdrückung der Frau schlüssig zu erklären. Und das spricht für sich. ES IST NÄMLICH EINFACH NICHT RECHTENS, die eine Hälfte der Menschheit zu unterdrücken. Deshalb rudert man(n) sich auch einen ab, wenn man versucht, es zu begründen.

    Übrigens wird, in Gesellschaften, in denen die Unterdrückung der Frau immer noch an der Tagesordnung ist, diese mit brutalster Gewalt durchgesetzt. Anders geht es nicht. Denn weder mit der Natur noch mit dem ethischen Empfinden eines normal gesunden Menschen ist dies zu vereinbaren.

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