Ursprung der sexuellen Orientierung

Sexuelle Orientierung, das ist heute bekannt, entsteht in unserem Gehirn und zwar schon im Mutterleib. Wir können uns also nicht aussuchen, ob wir Frauen, Männer oder beides anziehend finden. Ebenfalls können wir nicht wählen, ob wir uns als Mann oder Frau fühlen. Das ist unproblematisch, wenn unser Körper beispielsweise männlich ist und unsere Genderidentität auch. Doch was, wenn wir uns in einem weiblichen Körper befinden, aber fühlen wie ein Mann?

Unser körperliches Geschlecht entwickelt sich in der 6. – 12. Schwangerschaftswoche und zwar indem das Y-Chromosom bei den Jungen zur Produktion des männlichen Hormons Testosteron führt. Wiederum die hohe Produktion von Testosteron führt in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft dazu, dass sich der zukünftige Mensch als Mann fühlen wird. Was sich zu diesem Zeitpunkt entscheidet, wird für immer so bleiben.

Die am meisten verbreitete sexuelle Orientierung,

Heterosexualität, müssen wir hier nicht weiter diskutieren, da sie gesellschaftlich keine erschwerenden Umstände mit sich bringt. Na ja, ausser manchmal die Frage, ob Frau und Mann wirklich zusammen passen 😉

Homosexualität, die gleichgeschlechtliche Liebe und sexuelle Anziehung, wird (noch immer) von verschiedensten Interessenvertretern als „unnatürlich“ hingestellt. Interessant an den „Interessevertretern“ selbst ist, dass sie, zumeist ganz selbstverständlich, das Geschlecht „Mann“ über das Geschlecht „Frau“ stellen. Der Mann als „Krone der Schöpfung“. Dumm nur, dass er gar nicht existieren würde, hätte ihn nicht eine Frau auf die Welt gebracht. Soviel zu „traditionellen“ Denkweisen.

Mädchen, welche in der Gebärmutter einem hohen Testosteronspiegel ausgesetzt sind, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit bi- oder homosexuell. Dies kann aufgrund einer bestimmten Nebennierenerkrankung erfolgen. Ein Zuviel des östrogenartigen Stoffes Diethylstilbesrol (DES) sowie Amphetamine und Nikotin können die gleiche Wirkung haben.

Bei Jungen nimmt die Wahrscheinlichkeit der Homosexualität mit der Zahl der älteren Brüder zu. Auch Cortisol, das bei Stress ausgeschüttete Hormon, wirkt sich auf die Produktion der Geschlechtshormone des Kindes und somit auf seine sexuelle Orientierung aus.

Eine kleine Denksportaufgabe für die Vertreter der These, dass unsere sexuelle Orientierung wählbar und somit alles, was nicht hetero ist, als „unnatürlich“ tituliert werden darf:

Wie kommt es, dass sich beispielsweise die Homosexualität so gut weiter vererbt? Wenn sie von der Natur her „unsinnig“ ist, sollte sie dann nicht schon längst einem natürlichen Selektionsprozess zum Opfer gefallen sein?

Wer und was wir werden, unterliegt einem fragilen Gleichgewicht von Hormonen und anderen Faktoren in der vorgeburtlichen Phase. Das sind biochemische Fakten, hier gibt es keine Wahl für den einzelnen. Das bedeutet, dass es weder ein „besser“ noch ein „schlechter“ gibt. Und auch keine Umkehrung durch Gebete, Stromschläge und andere Methoden, die ebenso grausam wie erfolglos bereits „zur Umorientierung“ am lebenden Objekt angewendet wurden. Und werden, fürchte ich. Dies gilt auch für die folgenden sexuellen Orientierungen.

Transsexualität bedeutet, dass ein Mensch überzeugt ist, im Körper des falschen Geschlechts geboren zu sein. Hier wurden kleine Veränderungen der Gene entdeckt, die auf die Hormone, welche für die Gehirnentwicklung zuständig sind, einwirken. Somit erhöhen sie auf diese Weise die Wahrscheinlichkeit einer Transsexualität. Es gibt noch einige weitere mögliche Einflüsse, alle finden während der Schwangerschaft statt.

Pädophilie. Ich weiss, alle hassen die Pädophilen. Kindsmissbrauch ist zutiefst verwerflich. Ich möchte hier aber einmal zwischen dem Täter und der Tat unterscheiden. Stell‘ dir vor, in deinem Hirn und seinen Teilen gibt es Besonderheiten. Du kommst in die Pubertät, und wirst plötzlich scharf auf Kinder. Was machst du?

Nachdem wir wahrscheinlich alle erst einmal tief ein- und wieder ausatmen müssen, will ich zur Auseinandersetzung mit ein paar Fragen anregen.

Wenn wir hetero sind, oder – vorausgesetzt, wir haben es mit unserem Geburtsland glücklich getroffen – homo oder bi, können wir auf vielfältige Ressourcen zurück greifen, um unsere Unsicherheiten zu klären. Da sind Jugendzeitschriften, unsere Kumpels, die Eltern…

Was macht ein Junge, der merkt, dass er auf jüngere Kinder steht?!? Wohin kann er sich wenden? Vielleicht an einen Therapeuten? Wer die Szene ein klein wenig kennt, weiss, dass sich ein grösserer Teil der Therapeuten mit sexuellen Themen – selbst den ganz gewöhnlichen – eher schwer tut. Blieben allenfalls noch die Sexualtherapeuten? Weiss ich leider nicht. Ich stelle mir aber grade vor, wie ein 14 jähriger zu seiner Mutter geht und sagt „Mum, ich sollte einen Termin beim Sexualtherapeuten haben“ – „Aber klar mein Junge. Was hast du denn?“ – „Ich stehe auf Kinder“ – „Ah, okay. Moment, ich such‘ dir die Nummer raus“. Genau…

Unsere Gesellschaft muss meiner Meinung nach einen tiefgreifenderen Umgang mit dieser Fragestellung finden. Wir können doch nicht erst abwarten, bis missbrauchte Kinder für ihr Leben geschädigt sind und dann den Täter einbuchten. Bis der nächste kommt…

Das bedeutet, etwas zu  verteufeln, aber gleichzeitig den Menschen, die dem ein Stück weit ausgeliefert sind, keine Hilfestellung zu bieten. KINDSMISSBRAUCH IST UNENTSCHULDBAR. Darüber möchte ich keinen Zweifel lassen. Aber, das sei auch gesagt: Nicht jeder Pädophile lebt seine Orientierung aus. Manche finden andere Kompensationen und verzichten auf ihre Sexualität, um keinem Kind Schaden zuzufügen. Sie haben meinen vollen Respekt.

Ich hoffe und wünsche mir, dass das Internet denjenigen, die ernsthaft Hilfe suchen, heute mehr Ressourcen bietet, als es in der Vor-Internetzeit der Fall war.

Ausatmen….

Selbst bei Fruchtfliegen konnte man homo- und bisexuelle Verhaltensweisen beobachten, übrigens 😉

Soweit die Forschung und ein paar Gedanken dazu.

Sexuelle Orientierung sagt uns, wen wir anziehend finden.

Sexuelle Neigung sagt uns, was wir anziehend finden.

Wenn euch beispielsweise der Anblick der hammerscharfen Stilettos auf dem Foto in die Glieder …gnihihhii…. gefahren ist, könnt ihr hier noch mehr davon finden. Wer seine Beine gerne darin fotografiert sehen will – und die entsprechenden Beine, in geografischer Nähe, hat – könnte bei Norbert auf offene Ohren stossen ;-).

Willst du mehr darüber erfahren, was in deinem Heel, Pardon, HIRN abgeht, findest du bei Dick Swaab haufenweise Futter für die grauen Zellen. Sein spannendes und teils kontroverses Buch  „Wir sind unser Gehirn. Wie wir denken, leiden und lieben“ diente als Quelle für diesen Artikel.

Mit dem Ursprung von Fetischen und weiteren sexuellen Präferenzen werde ich dich in meinem nächsten Blog unterhalten. Falls ich das bis dahin heraus gefunden habe…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

35 Gedanken zu “Ursprung der sexuellen Orientierung

  1. westendstorie sagt:

    Sehr sehr interessant. Danke für diese aufschluss und lehrreichen Worte. Grade letzteres Tabuthema wird greifbarer, wenn es thematisiert wird. Ich lese grade Der Verlust des Mitgefühls, von Arno Grün. Das passt wunderbar. Vielleicht kennst du es.
    Viele Grüße !

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    1. littlevigirl sagt:

      „Wie kommt es, dass sich beispielsweise die Homosexualität so gut weiter vererbt? Wenn sie von der Natur her „unsinnig“ ist, sollte sie dann nicht schon längst einem natürlichen Selektionsprozess zum Opfer gefallen sein?“

      Verstehe ich das richtig? Wenn jemand homo ist- dann steht die Person eher auf das gleiche Geschlecht richtig?
      Angenommen, die konventionellen gesellschaftliche Erwartungen (Kinder kriegen) haben bei der homosexuellen Person wenig Einfluss. Dann würde er nicht freiwillig seine Gene an den gegengeschlechtlichen Part weiter geben, richtig?
      Damit trifft der Selektionsdruck sehr wohl auf Homosexualität zu.

      Vererbungsprozesse sind rein zufällig. Ob die vermuteten homosexuellen Genabschnitte dominat oder rezessiv vererbt werden ist wenig erforscht. Daher kann keine Aussage über „gute“ oder „schlechte“ Vererbung getroffen werden.

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      1. Devote Romantikerin sagt:

        Willkommen auf dem Blog, littlevigirl. Vielen Dank für deinen Input.

        Korrekt: wenn jemand homo ist, steht er auf das gleiche Geschlecht. Ebenfalls anzunehmen ist, dass ein homosexueller Mensch nicht freiwillig seine Gene an das Gegengeschlecht, durch Sex, weitergeben will. Soweit bin ich bei dir.

        Aber: Von welchem Selektionsdruck sprichst du? Und wer hat eine Aussage über „gute“ oder „schlechte“ Vererbung getroffen?

        Mir ist nicht ganz klar, worauf du hinaus willst. Kannst du das evtl. etwas näher erläutern? Lieben Dank.

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        1. Starks7 sagt:

          Ich finde es in dem Zusammenhang ja superinteressant, dass ein Thomas Mann, der laut einer Studie als „überwiegend homosexuell“ galt, mit seiner Frau Katia sechs Kinder zeugte, von denen (mindestens) drei bekennend homosexuell wurden.

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  2. Sunny sagt:

    Ich bin – wie vermutlich Viele andere – sehr an dem nächsten Blog interessiert. Seeeeehr!
    Gibt er doch vielleicht zumindest eine Teilantwort auf die bisher noch immer ungelöste Frage: Warum bin ich dominant?
    Alternativ wird sich mancher fragen: Warum bin ich devot?

    Ich weiß so viel über mich, doch diese Frage ist weiter völlig ungeklärt.
    Ist es Genetik oder Sozialisation? Oder Beides?

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  3. Hot Coffee Cool Pictures sagt:

    Ich finde das Foto toll – ach so, ist ja mein Bild … 😉

    Ja, ich stehe auf Beine, möglichst in Nylons, möglichst in Heels. Wirklich bewußt ist mir dies geworden, als ich im Alter von 10 bis 13 Jahren eine Nachbarin immer öfters abgepaßt habe, wenn sie in ihren Pumps, im Rock oder Kleid im Treppenhaus unterwegs war.
    Der versuchte Blick auf ihre Beine, unter ihren Rock hat mich sehr erregt. Und ich glaube, auch sie hat diese ab und an Momente genossen.
    Und seit dieser Zeit habe ich einen Faible für Stöckelschuhe, für Beine in Nylons. Und wenn dan noch ein schickes Kleid, ein toller Rock dazu kommt = ein Anblick, der mich auch heute noch .fasziniert.

    Wie ist es dazu gekommen ist, dass ich (unter anderem) solche Schuhfotos zu schiessen, kann sich hier http://blog.calvendo.de/interview-norbert-j-suelzner/2016/01/ darüber informieren.

    Und ja, wer Fotos von sich, seinen Beinen und/oder Heels haben möchte, einfach melden, alles weitere wird dann in Ruhe besprochen. Möglichst Großraum Osnabrück, Bielefeld, Münster und umzu.

    Wünsche allen einen schönen Tag, ein schönes Wochenende.
    Norbert

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    1. Devote Romantikerin sagt:

      Vorsicht, lieber Norbert. Mit der obigen Beschreibung könnte es dir passieren, dass du dir selbst als „Fallstudie“ in Teil II, Ursprung sexueller Neigungen, begegnest 😉
      Ähnlichkeiten jedwelcher Art wären dann natürlich rein zufällig und hätten nichts mit lebenden Personen zu tun…. *blinzel*

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  4. hataibu sagt:

    Gute Zusammenfassung der Basics. Danke!
    Was nicht unerwähnt bleiben sollte, ist, dass körperliche Ausprägung, empfundene Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung in jeder beliebigen Kombination und Mischform vorkommen können.
    Ein Mensch, der sich als Mann fühlt, als Frau geboren wurde und Männer begehrt, ist genauso denkbar, wie einer, der mit seinem Körper als Mann ganz zufrieden ist, Frauen begehrt, sich aber dennoch mehr mit Frauen identifizieren kann als mit anderen Männern, oder einer, der sich weder eindeutig als Frau noch als Mann empfindet und sich zu beiden Geschlechtern gleichermaßen hingezogen fühlt.
    Die Welt der sexuellen Identifikationen und Orientierungen ist so vielfältig und faszinierend, dass jegliche Kategorisierung im Grunde nur den Blick auf die wahre Natur der menschlichen Sexualität verschleiert.

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    1. Devote Romantikerin sagt:

      Gern geschehen, Hataibu. Du hast Recht: Eine Kategorisierung kann im Optimalfall „die Landkarte“ sein, um als Orientierungshilfe zu dienen. Sie ist aber nicht die Landschaft selbst. Diese ist in ihrer Vielfalt niemals gänzlich zu erfassen.

      Interessant finde ich dein Beispiel, dass sich ein Mensch weder als Mann, noch als Frau empfindet. Davon habe ich noch nie gehört. Könntest du dazu etwas Input geben, bitte? Da gibt es einen weissen Fleck auf der Landkarte 😉

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  5. 500woerterdiewoche sagt:

    Ja, Sexualtherapeuten können bei pädophilen Neigungen helfen. An der Charité Berlin wurde ein Projekt gestartet, das es inzwischen in mehreren Städten gibt: https://www.kein-taeter-werden.de/

    Die Grundlage ist genau der von dir dargelegte Gedankengang: Wenn die Neigung nun mal da ist, ist es besser, den Leuten zu helfen, damit sie gar nicht erst Kinder missbrauchen, statt abzuwarten, bis es zu spät ist, und die Täter nachträglich zu bestrafen. Therapeuten unterliegen übrigens der Schweigepflicht, d.h. selbst minderjährige Hilfesuchende müssten keine Angst haben, dass jemand davon erfährt.

    Ich weiß, das schweift ein bisschen vom Thema deines Blogs ab 😉 Aber ich finde dieses Projekt sehr gut und wichtig und hoffe, dass möglichst viele Betroffene davon erfahren und dort Hilfe suchen, bevor ein Kind zu Schaden kommt.

    Davon abgesehen: Ich freue mich auch auf den nächsten Artikel 🙂 Und danke für die Buchempfehlung!

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    1. Devote Romantikerin sagt:

      Vielen Dank für deine Infos. Ich finde überhaupt nicht, dass dies vom Thema des Blogs abweicht, im Gegenteil. Toll, dass du einen valablen Link angeben kannst. Über solche Dinge mache ich mir sehr viele Gedanken. Für mich ist es ausserordentlich wichtig, das Sexualität zwischen zwei entscheidungsfähigen Erwachsenen (oder genügend alten Jugendlichen) stattfindet und dass durch Erotik niemand körperlich oder seelisch zu Schaden kommt. Dafür sollte eine zivilisierte Gesellschaft sorgen.

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  6. Kadee Mazoni sagt:

    Liebste Romantikern! Ich traue den wissenschaftlichen „Erkenntnissen“ wenig. Meine Vermutung ist, die sexuelle Orientierung entspringt nicht einer Genetik, sondern eher einer Phantasie. Es verhält sich ähnlich wie mit der Liebe – auch dies wird niemals die Wissenschaft erklären können, sondern die Poeten und Literaten (dafür sind sie auch da). Warum man auf dies oder jenes „steht“, entscheidet das Gefühl und diese Gefühle sind vielfältig. Ich denke nicht, dass wir Gefangene der Gebärmutter sind, dass sich dort unsere „Orientierung“ festgelegt hat, aus der wir nicht wieder entkommen können. Das wäre auch zu schematisch und gar nicht romantisch.

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    1. Devote Romantikerin sagt:

      Hallo Lieblingsromantiker! Möglicherweise ist es etwas ernüchternd, dass unsere Orientierung von Geburt an festgelegt scheint. Man kann es aber auch so betrachten: Bevor es diese unsentimentalen Erkenntnisse gab, verlegte man sich auf Vermutungen. Vielfach wurde der Mutter vorgeworfen, sie wäre zu kalt / unnahbar / dominant oder was-auch-immer in der Erziehung gewesen und hätte somit die sexuelle (Fehl)Orientierung des Kindes verursacht. Damit wurde viel Leid über die Beteiligten gebracht. Deine Idee, das wir unsere Orientierung gewählt haben, rechtfertigt für einige Gruppierungen grausame Vorgehensweisen, um den Betreffenden unliebsames Verlangen „abzugewöhnen“. Wenn es so einfach wäre, nur eine Herzensentscheidung, das wäre schlichtweg wunderbar!

      Für dein romantisches Herz empfehle ich dir „Goodbye, I love you“ von Carol Lynn Pearson. Mich berührte diese (wahre) Liebesgeschichte sehr. Ist aus den 80ern. Das Thema jedoch, bleibt zeitlos.
      Stay a dreamer, dear. I definately will 🙂

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      1. Kadee Mazoni sagt:

        Hallo liebe Romantikern! Ich hatte mir schon gedacht, dass ich mir den „Vorwurf“ einhandele, dass, wenn ich behaupte, Sexualität und Liebe aus der Phantasie entspringe, sie auch wieder abzugewöhnen sei. Nein, das geht auf keinem Fall. Die Phantasie (jedenfalls die, die ich meine) bildet sich ein Bild, was den gesamten Bereich, des Körpers erfasst. Es ist ein Bild, das sich über die Organe legt, das bis ins Innerste eindringt; es ist eine Kraft, die kaum verstandesmäßig zu steuern ist, es ist eine, die sich mit den Trieben verbindet. Diese Phantasie ist keine kleine Märchenstunde, sondern im extremsten Fall stellt sie die ganze persönliche Existenz in Frage. Es gibt Millionen (und noch viel mehr) Ereignisse, die dieses Bild in einem bilden – meist sind es nur scheinbare unbedeutende solcher Ereignisse. Es kann ein Traum sein, eine Blume am Wegesrand, eine Bewegung eines Hinterns, der Klang einer Stimme, es kann sein, dass mensch Schmerz spüren möchte oder Schmerz geben … es kann eine Person sein, die zu was Einzigartigen erhoben wurde … eine Nase kann es sein, Augen, die dich anblicken – es ist alles unglaublich vielfältig und unendlich, wie das Universum selbst. Was wir werden und letztlich auch, worauf wir „stehen“ schreibt sich in dem Leben fest, das wir leben.
        „Mädchen, welche in der Gebärmutter einem hohen Testosteronspiegel ausgesetzt sind, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit bi- oder homosexuell. Dies kann aufgrund einer bestimmten Nebennierenerkrankung erfolgen.“
        Solcherlei „Erkenntnisse“ finde ich gefährlich, weil damit der Glaube erweckt wird, man könne eine sexuelle Orientierung im vorne herein bestimmen. Früher glaubte die Wissenschaft, man könnte es einfach wegoperieren. Zudem halte ich es für absurd, all meine Entwicklung sei in meiner Mutter angelegt. Mama Mia! Hab ich denn kein eigenes Leben?
        Ich verstehe sehr gut, liebe Romantikern, worauf Du hinaus wolltest, nämlich dass niemand was für seine sexuelle Orientierung kann. Ich würde noch einen Schritt weiter gehen: Jede und Jeder sollte Stolz darauf sein, es für sich herausgefunden zu haben. Jeder Mensch sollte – ohne jemanden damit zu schädigen – versuchen es auszuleben.
        Ich freue mich immer wieder Dich zu lesen.

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      2. Marcello Francé sagt:

        „Wie kommt es, dass sich beispielsweise die Homosexualität so gut weiter vererbt?“ Homosexualität wird nicht vererbt, wie du selber in anderen Stellen nahe legst. Es gibt aber Prädispositionen dafür, d.h. es gibt hemmende und steigernde Einflüsse bestimmter Gene. Warum es sie gibt, ist eine interessante, nicht vollständig geklärte Frage. Was viele nicht wahr haben wollen, die meinen, es sei „widernatürlich“ oder vergleichbarer Müll- Homosexualität kommt bei so gut wie jeder Tierart vor, nicht nur bei Fliegen. Früher haben Forscher die Tierarten gezählt, bei denen Homosexualität vorkam, heute macht man es andersherum. „Soviel zu “traditionellen” Denkweisen.“ Naja, es gibt und gab auch immer maternalistische Gesellschaften. Die meisten von ihnen sind sehr traditionell, um nicht zu sagen, völlig ursprünglich. Das jetzige Bild von Frau und Mann hat sich vermutlich erst vor 10.000 Jahren im Nahen Osten so richtig durchgesetzt. Was bei Pädophilie gerne vergessen wird: Nicht alle mit dieser Neigung leben sie aus. Ansonsten möchte ich dir da gerne zustimmen. Zudem glaube ich, dass viele dieser Leute, auch wenn sie diese Verbrechen begehen, nicht böse sind, sondern eher unzurechnungsfähig. Das rechtfertigt zwar keine Verbrechen, aber immerhin ist man in den USA bspw. vermutlich auch so zu dem Ergebnis gekommen, als man Vergewaltigung von Kindern von der Todesstrafe ausschloss (Todesstrafe halte ich eh für keine gute Idee), weil es gegen den 8. Zusatzartikel verstößt (u.a. unangemessene Bestrafung). „Möglicherweise ist es etwas ernüchternd, dass unsere Orientierung von Geburt an festgelegt scheint.“ Mir gefällt so eine- fast schon calvinistische Prädispositionslehre auch nicht- und hey, ich studiere Molekulare Biotechnologie. Ich denke, es gibt immer Sachverhalte, die man unterscheiden kann. Ob ich jemand attraktiv (vom Aussehen) her finde oder auf wen ich stehe oder vielleicht früh an Krebs sterben werden, liegt nicht in meiner Hand, nur in Genen und Umwelt. Aber soviel können wir selbst entscheiden- auch wenn Neurobiologen anderer Meinung sind, an den freien Willen glaube ich – auch wenn er oft eben von uns selbst oder der Gesellschaft so eingeengt wird, das wir dann doch nicht entscheiden, wie wir eigentlich wollten.

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  7. Mic sagt:

    Sehr interessanter Artikel! Den Teil über Pädophilie habe ich mit besonderem Interesse gelesen, weil ein früherer Arbeitskollege von mir, der ein wirklich netter Kerl war (ist?), sich als pädophil herausgestellt hat und dafür rechtskräftig verurteilt wurde. Und ich habe immer noch Schwierigkeiten, das miteinander in Einklang zu bringen.

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      1. Mic sagt:

        Nein, durch Ignorieren ist noch nichts verschwunden. Aber wie geht man mit so einem Thema um? Für uns als Kollegen war das ja auch die Frage, wie geht man jetzt retrospektiv mit so einem Menschen um. Wird aus dem netten Kollegen jetzt mit einem Mal der miese Kinderschänder, von dem man es immer schon irgendwie geahnt hat? Und was würde man tun, wenn man ihn zufällig in der Stadt träfe (seine Strafe müsste verbüsst sein).

        Um ehrlich zu sein, so genau weiß ich das nicht. Und da wird mir auch keiner was zu raten können.

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  8. Master Dan sagt:

    Werden wir so oder so geboren oder ist das durch Erziehung und Umfeld bedingt? Wahrscheinlich beides. Ich denke bei der sexuellen Orientierung verhält sich wie beim Charakter, ein Teil ist genetisch bedingt und der Rest wird durch unsere Erfahrungen geprägt.
    Hauptsache man fühlt sich wohl dabei 🙂

    Bin wirklich gespannt auf Teil-2 🙂

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  9. Marcello Francé sagt:

    Eine andere Frage: Bist du eigentlich wirklich eine Romantikerin? Vermutlich verstehe ich darunter was ganz anderes als du. Du wirkst nicht weltfremd, wie dieser Artikel zeigt. Du lebst im Hier und Jetzt und nicht im Dort und Dann. Du genießt und liebst – und bist nicht unzufrieden und verzweifelt, zerfressen von ambivalenten Gefühlen und nah am Abgrund. Romantiker(in) zu sein, heißt für mich, zu flüchten, weil man diese Welt nicht mehr aushält – im Bewusstsein der kommenden Sackgasse. Vielleicht ist das ja der Wunsch zu leiden – wie die russische Seele. Denn liegt im Leid nicht auch Schönheit, wie sie sie Christen bspw. in einem Kreuz sehen? Romantik als universelle Liebe zu allen Menschen – mit denen man aber nichts zu tun haben will, weil sie einen anwidern. Als Horror, Angst und die Freude daran. Und überwiegend männlich – außer Mary Shelley, Clara Schuhman und Annette von Droste Hülshoff. Was bedeutet Romantik für dich? Könntest du es umschreiben? Oder meintest du doch genau das? Ich finde diese Form der Romantik so abstoßend und anziehend zugleich, aber bei dir meine ich, dass das etwas anderes ist. Ich weiß nicht was, aber ich würde es mir gerne erklären lassen. Einen Roman 📖 wär das schon mal 🙂 Wo ist der Tisch?

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    1. Devote Romantikerin sagt:

      Lieber Marcello
      Oh nein, ich bin keine Romantikerin. Jedenfalls nicht, wenn man als Romantikerin eine Person ansieht, die in der gleichnamigen Epoche zu verorten ist. Selbstredend, oder?

      Romantik in Verbindung mit BDSM Erotik bedeutet für mich, das Gefühle wichtig sind. Innigkeit. Tiefe Leidenschaft.

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      1. Marcello Francé sagt:

        Ich sag dir, dass mit der Epoche stimmt nicht unbedingt. Es ist eher eine Lebenseinstellung. Obwohl du es bei mir als Naturwissenschaftler nicht vermuten würdest, habe ich dazu einen Hang. Aber wie gesagt, dass macht mir auch Angst wie die zwei Gesellen. Deswegen finde ich dass nicht so selbstverständlich. Natürlich wollte ich dich aber auch ein bisschen aus der Reserve locken. Also Stoikerin bist du schon mal nicht 😀 Es ist schön, dass das dir so viel bedeutet. Manchmal fühle ich mich konfus und verworren und/oder verloren im Kabinett der Sinnlosigkeiten, die das Leben so bereitet. Da kann so etwas befreiend sein. Romantiker kennen Leidenschaft schon auch, bloß tendenziell zerstört es sie – und mag es noch so abgedroschen klingen- schafft Leiden. Denn nicht nur Liebe ist Leidenschaft, sondern auch Hass. Du hast etwas gefunden, was dich ausgleichst, und ein bisschen beneide ich dich darum. Aber hauptsächlich freue ich mich, denn es ist wunderbar. Einen schönen Abend noch.

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