Ursprung sexueller Neigungen I

Direkt nach dem Eintreten werde ich von sinnlicher Wärme empfangen. Es ist nicht allein die Sonne, die den Raum tagsüber mit Frühlingsenergie gefüllt hat. Die mich umgebenden Formen und Materialien laden dazu ein, darüber zu streichen. Meine Augen sehen sich satt an der Farbenpracht und ich werde olfaktorisch zum grossen Holztisch gelenkt.Es gibt regional angebauten Gaumensex mit raffinierten Gewürzen und dazu unsere geistigen Ergüsse.

Neue Wahrnehmungen mischen sich mit Erinnerungsfetzen aus früheren Gesprächen und fügen sich langsam zu einem Bild zusammen. Fasziniert begreife ich, wie verschieden unsere erotischen Welten sind. Wie verschieden die Empfindungen, bei exakt gleichen sexuellen Erlebnissen. Mir wird bewusst, dass ich in meinem „Heimathafen“ vertraut bin und souverän. Wechseln die Koordinaten in andere Gefilde, begegnet mir im Innern ein linkisch-unsicheres Selbst, das Geschehnisse nicht mehr ganz so klar einordnen kann. Zu meinem Erstaunen. Dachte ich doch, ich sei zu „erwachsen“, um von mir selbst noch überrascht zu werden..

Jeder Erwachsene hat eine wollüstige Vergangenheit schon aus Kindertagen. Und auf diesem Weg scheinen manchmal  gradezu groteske Zufälle dafür verantwortlich zu sein, was uns später anturnen wird. Oder sollte schon alles von Anfang an in uns angelegt sein? Und wir folgen nur scheinbar „unabsichtlich“ einem Pfad, der innerlich bereits fix vorgegeben ist?

BDSM Pumps Swarovski 2013-03-16-17-17-20cccIch denke an die Fetischisten. Im Laufe meines Lebens führte ich mit einigen von ihnen intensive Gespräche. Auch wenn sich das Alter der Entdeckung unterscheidet, scheint es gang und gäbe zu sein, dass bereits der kleine Junge magisch von seinem Fetisch, z.B. Nylon, oder High Heels, angezogen wird

In einem vorangegangenen Artikel habe ich den Ursprung der sexuellen Orientierung behandelt. D.h., warum ziehen mich Frauen an oder Männer, warum fühle ich mich im Innern weiblich oder männlich.

In einem zweiten Schritt machte ich mich auf die Suche nach dem Ursprung unserer sexuellen Neigungen. Das Thema passte perfekt zu Ostern, das kam und wieder ging, denn die Antwort auf meine Fragen hielt sich ausdauernd vor mir versteckt.

Kennt ihr das Gemälde La Maja vestida (etwa: „Die bekleidete Schöne“) von Goya? Das Interessante ist verborgen und ich werde, wie Goya einst, versuchen, den Schleier zu lüften und zu sehen, was darunter ist 😉

BDSM La Maja vestida 1024px-Goya_Maja_ubrana2

Wo kommen unsere Gelüste her?

BDSM Gelüste Schoki Hotcoffeecoolpictures2015-01-28-16-24-03

Wer von euch isst immer die gleiche Sorte Schokolade? Ich tu‘ das. Gott sei Dank. Nicht auszudenken, wenn ich alle Sorten genüsslich vernaschen würde.

Wie bei Schokolade, so scheint es auch bei der Lust welche zu geben, die gerne immer mal wieder was Neues probieren. Und andere, die ihre Geschmacksrichtung kennen und nur dort die wirklich süssen Versuchungen finden.

Aufgrund der begrifflichen Differenzierung könnte man versucht sein zu denken, dass sexuelle Orientierung etwas fixes, nicht verschiebbares darstellt.  Wohingegen wir bei den sexuellen Neigungen eine gewisse  Wahlfreiheit haben könnten. Unterdessen bin ich mir da nicht (mehr) so sicher. Auch explizite Neigungen scheinen auf unserer inneren Festplatte relativ fix verortet zu sein.

Ein dominanter Freund erzählte mir einmal, dass er eine geliebte (Vanilla)Frau nach fünfjähriger harmonischer Beziehung schweren Herzens verlassen hat. Ihm wurde klar, dass er auf Dauer nicht glücklich sein kann, wenn er seine dominante Neigung unterdrücken muss.

Wikipedia zählt zu den sexuellen Neigungen Fetischismus, Exhibitionismus, Voyeurismus, Sadismus, Masochismus und noch einige andere. Frotteurismus, zum Beispiel. Nein, das hat nix mit kuscheligen Badetüchern aus einem speziellen Material zu tun…ausser, du hüllst dich beim Busfahren darin ein ;-).

Ich konzentriere mich hier auf die „gesunden“ Gelüste, also diejenigen, die ssc* ausgeübt werden. Mein besonderes Augenmerk gilt dem Bereich S/M und D/S, also Sado/Maso und Dominanz/Submission. Die Frage, die mich umtreibt: Wo kommen unsere Präferenzen her?

Starten wir mit harmlosen Kindheitserlebnissen und ein wenig Küchenpsychologie.

Waren es „Cowboy und Indianer“Spiele, die früh eure Neigung offenbarten? Wart ihr der hilflose, an den Marterpfahl – aka Schaukelstange –  gefesselte Indianer?  Oder etwa der „böse“ Cowboy, der vergnügt die Seile festgezurrt hatte? Spieltet ihr die Rolle des rettenden grossen Bruders, der den oder die Schutzbedürftige in einem unbeobachteten Moment befreite? Oder wart ihr der heimliche Beobachter, er sich voyeuristisch an der Not der Gefangenen und ihrem appetitlichen Äusseren ergötzte?

Zeigen sich in solchen Spielen bereits erste Prägungen?

Ich verbrachte grössere Teile meiner vorpubertären Kindheit genussvoll gefesselt an diversen Gegenständen, auf meinen jeweiligen Retter wartend. Bedeutet dies, dass damals schon meine devote Neigung vorhanden war? Oder vielleicht sogar durch derlei Spiele initiiert wurde? Kann gut sein. Ich frage mich nur grade – mit breitem Grinsen im Gesicht – was ist aus den anderen 15 – 20 mitspielenden Kindern von damals geworden? Als logische Folge müssten das doch alles heute BDSMler sein?

Neuer Versuch: Sollten es die ein bis zwei Mal „übers Knie legen“ durch meinen Vater gewesen sein, die eine spätere Vorliebe für Spanking verursacht haben? Immerhin waren das – wenn auch negative – so doch leidenschaftliche „Aufmerksamkeiten“ eines ansonsten emotional distanzierten Erzeugers. Nehmen wir an, das ist so. Was geschah in der Kindheit der späteren Doms? Wurdet ihr auch übers Knie gelegt, habt aber für euch daraus andere Schlüsse gezogen? Was würdet ihr als mögliche Initialerlebnisse aus eurer Kindheit ansehen? Bitte schreibt es mir!

Fragen über Fragen und niemand der mich dafür bestraft…seufz. Ich sehe schon, da muss ich mich selber drum kümmern und mal die Wissenschaft bemühen. Gleich vorweg eine Warnung: Das erotische Leben der Fruchtfliege ist besser erforscht als die gesunde Variante unserer sexuellen Neigungen. Die Psychologie hat sich auf weiten Strecken nur mit der pathologischen Seite von BDSM befasst und die – oftmals auf Einzelbeobachtungen beruhenden – Erkenntnisse dann uns allen einfach übergestülpt. So dienen beispielsweise Menschen mit antisozialer Personlichkeitsstörung als Forschungsgrundlage für „Sadismus“. Die Daten hierfür stammen aus der Kriminalstatistik! Na merci vielmals.

Auch in renommierten Frauenzeitschriften werden teilweise „Fachleute“ (sprich: Psychotherapeuten) bemüht, die allem Anschein nach einen BDSMler nicht von einem Swinger unterscheiden können. Im Emotion wurde letztes Jahr eine Paarberatung geschildert. Die Eheleute hatten Flaute im Bett. Die Gattin wollte mehr Romantik, er schien SMler zu sein. „Eine phantastische Kombination“ würde ich sagen. Doch was sagte die Psychologin? Nun, sie machte sich daran, die „Störung“ des Mannes zu bearbeiten. Er wurde dazu verdonnert, die Beziehung zu seiner Mutter zu analysieren und zu klären. An sich nichts Schlechtes. Mich störte nur massiv, dass wir hier das Modell „arme Frau / böser Mann“ hatten, was die Ehesexualität betraf. Dem Gatten wurde „attestiert“, dass er sich „in andere nicht hinein versetzen kann“. Nun, wenn er wirklich ein Dom ist, möchte ich dies stark bezweifeln. Vielleicht war ja auch die Frau völlig verkrampft und man hätte ihre gesellschaftlich-kulturelle Prägung betreffend Sexualität genauer untersuchen müssen? Jedenfalls: Das Paar hat mittlerweile seit Jahren gar keinen Sex mehr. Die Psychotherapeutin ist mit diesem „Ergebnis“  (keine Änderung zu vorher) zuversichtlich, dass die beiden auf einem guten Weg sind. Ja dänne…

Ich hoffe, ihr seht das auch so, wenn ihr euer Auto in die Werkstatt bringt. Es wird dran rumrepariert und es werden Kosten generiert und nach wochenlanger Arbeit erklärt euch der Mechaniker, dass die Reparatur auf einem guten Weg ist.

Doch zurück zu BDSM und dem Verständnis dafür in der Restbevölkerung. Ich erinnere mich an eine Umfrage der deutschen Polizei, an der ich vor etwa einem Jahr teilnahm. Sie wollten mehr Informationen über BDSMler und baten um Mithilfe. Bei den Multiple Choice Fragen gab es oftmals Antworten, die sich ausserhalb meiner Lebenswirklichkeit befanden (z.B. solche nach häuslicher Gewalt), wohingegen die Antworten, die ich gerne gegeben hätte, meist gar nicht als Auswahl vorhanden waren. Also auch bei der Polizei, obwohl diese offensichtlich mehr über die Thematik lernen wollte, werden psychoanalytische Thesen, die teils hunderte von Jahren als sind, als Grundlage heran gezogen, um einen (wissenschaftlich verwertbaren!) Fragebogen zu erstellen. Es wird also auch ganz aktuell mit dem Scheinwerfer ein bestimmter Bereich – nämlich der krankhaft-gewalttätige – angeschaut und dieser mit unserer Leidenschaft sinnlos vermischt. Somit fehlt in einer Auswertung jeglicher Anhaltspunkt, wie die Gesunden, wie „das Normale“ zu erkennen ist.

Das Problem stammt aus der Psychologie und Psychotherapie, den Wissenschaften, die eigentlich Antworten auf unsere Frage nach dem Ursprung der Neigungen liefern sollten. Doch nicht umsonst spricht man beim Thema BDSM-Sexualität auch von „therapy refugees“ (Therapieflüchtlingen). Was würdest du tun, wenn du einen Therapeuten aufsuchst, um ein paar Fragestellungen betreffend eines Thema „X“ zu klären. Weil du gefragt wirst, erläuterst du kurz deine devote Neigung. Obwohl du beteuerst, sexuell glücklich und zufrieden zu sein, verwendet die Therapeutin den Rest der Stunde darauf, dich von „gesundem Sex“ überzeugen zu wollen. Sie meint wörtlich „Auch wenn Ihnen das anfangs keinen Spass macht, sollten Sie normalen Sex haben. Üben Sie, und zwingen Sie sich dazu, nur noch solchen Sex zu haben. Es wird Sie auf Dauer glücklicher machen“  Ach ja?!?

In den USA beinhaltet das therapeutische Studium ca. 6 – 10 Stunden „menschliche Sexualität“. Insgesamt, nicht wöchentlich! Selbst Sexualtherapeuten sind laut Peggy J. Kleinplatz, PhD, oftmals  darauf fokussiert, Paaren bei sexueller Nichtfunktion medikamentös oder mittels Beratung zu helfen. Die kriegen wahrscheinlich rote Ohren, wenn jemand mit BDSM-Fragen kommt ;-). Kleinstein hat übrigens einen sehr interessanten Bericht über BDSM Sex veröffentlicht, auf den ich gelegentlich zurück kommen werde.

Ob wir einen Blick unter die Röcke der „La Maja vestida“ erhaschen? Ich arbeite mich langsam vor.

Mehr erfahrt ihr im Teil II***

 

*Ein Frotteur (franz. se frotter „sich reiben“) ist ein Mensch, der dadurch sexuell stimuliert wird, dass er sich an anderen Menschen reibt.

**ssc = save, sane, consensual = sicher, gesund, einvernehmlich

*** T’schuldigung, falls der Link zu Teil II noch nicht unterstützt ist. Während du dies liest, bin ich am Schreiben :-).

 

Quelle Heels-Fotos sowie Schokoladenstapel: https://hotcoffeecoolpictures.wordpress.com. Danke, Norbert.

43 Gedanken zu “Ursprung sexueller Neigungen I

  1. Mic sagt:

    Hm, was sagt das also jetzt über mich aus, dass ich alle möglichen Sorten Schokolade gerne kaufe/esse … und was, dass ich mir im Moment den Genuss von Schokolade komplett versage!?

    Ein sehr interessanter Artikel, bei dem ich mich schon auf die Fortsetzung freue. Was ich übrigens nicht ganz so schwarz sehe, ist die Geschichte mit den Psychotherapeuten. Wobei ich zugeben muss, da nur aus „dritter Hand“ berichten zu können. Und die überwiegende Mehrheit dieser Profession wird, fürchte ich, wahrscheinlich genau so sein, wie du es schilderst. Mir fällt nur gerade auf, dass bis jetzt noch kein Psychotherapeut – und ich habe mit einigen gesprochen – von mir wissen wollte, was ich eigentlich mit wem im Bett so treibe. Entweder bin ich ein offenes Buch oder strahle sexuelle Langeweile aus ;-).

    Gefällt 1 Person

    1. Devote Romantikerin sagt:

      Ich mag Psychotherapeuten ;-). Der liebe Freund aus der Eingangsszene des Artikels ist einer. Und überdies ein von mir sehr geschätzter Gesprächspartner. Allein, was BDSM angeht, steht die psychologische Wissenschaft mit ihren vagen „Erkenntnissen“ auf hölzernen Füssen. Deshalb werden wir ja immer noch als „krank“ gelistet. Und das ist eine Tatsache, die ich mir nicht aus den Fingern gesogen habe. Von denjenigen der Gilde, die sich mit dem Thema auseinander setzen, wird sie bestätigt.

      Und wie ist das jetzt bei dir so? 😉

      Gefällt 1 Person

  2. happyfreeconfusedlonelyatthesametime sagt:

    Ich wäre das Gegenbeispiel zu dir. Wurde nie geschlagen, soweit ich mich erinnere, stehe jetzt trotzdem auf spanking. Ich habe die devote Rolle allerdings auch schon in der Grundschule besetzt. Das ist meine früheste Erinnerung daran. Also muss es vorher entstanden sein. Dass man damit geboren wird, kann ich mir nicht vorstellen. Ich denke, es ist eher Prägung.
    Mit Therapeuten habe ich gute Erfahrungen gemacht. Ich War wegen anderer Dinge in Therapie, aber was meine Sexualität angeht, wurde ich nur ermuntert, neugierig zu sein. Das hat mir gefallen. Außerdem bin ich fertig mit der Therapie und finds immer noch geil, geschlagen zu werden 😀
    Bin gespannt auf teil 2

    Gefällt 3 Personen

    1. Devote Romantikerin sagt:

      „..ausserdem bin ich fertig mit der Therapie und find’s immer noch geil, geschlagen zu werden“
      Du bist köstlich! Und Recht hast du. Es ist in uns drin und meist besteht auch kein Grund für Reparaturversuche 🙂
      PS. Übrigens würde ich die 2 x bei denen ich meinen Vater wirklich fuchsteufelswild machte und es eins auf den Hintern gab auch nicht unter „ich wurde zuhause geschlagen“ einordnen. Aber das mit der Spanking Neigung… grins..

      Bin ebenfalls sehr gespannt. Auf eure Reaktion zum zweiten Teil dann.

      Gefällt mir

  3. 🔆Sigrid🔆 sagt:

    Erst gestern dachte ich, dass ich lange nichts von dir gelesen haben. Dein Beitrag ist sehr interessant und informativ. Ich bin zwar von der „Normalo“-Fraktion, aber andere sexuelle Neigungen verstehe ich durchaus und jeder soll seine Neigungen ausleben können, aber wenn „Frotteure“ andere brauchen, um sich sexuell zu stimulieren, so mag ich mir das nicht vorstellen. Ich würde nicht wollen, dass sich irgend jemand an mir reibt.
    Bin grade am Überlegen, welche „Neigungen“ ich habe. Auf jeden Fall bin ich kein romantisches „Weibchen“ und mag keine Softie-Männer. Ich mag köstliche Pralinen und bin absoluter Genussmensch! Was noch? Ach, eigentlich habe ich nie über Neigungen nachgedacht, sondern versucht, meinen „Deckel“ zu finden und den habe ich jetzt in meinem „2. Leben“ mit einem neuen Mann. Liebe Grüße Sigrid

    Gefällt 1 Person

    1. Devote Romantikerin sagt:

      Vielen Dank für dein Feedback, liebe Sigrid. Ja, ich war ein Weilchen „untergetaucht“. Oder eingetaucht, vielmehr, in andere Themen.

      Frotteure, genau wie Exhibitionisten im Park, erfreuen sich wohl eher nicht allgemeiner Beliebtheit. Was daran liegen mag, dass sie zumeist männlich sind 😉

      Wundervoll, dass du deinen Lieblingsmenschen rein intuitiv finden konntest. Da haben es wir BDSMler vermutlich etwas schwerer. Obwohl… soweit ich mich erinnere, ist Kari(mausi) ihrer Liebe im Krankenhaus in die Arme gelaufen. Ein Volltreffer, sozusagen, im wahrsten Sinne des Wortes.

      Gefällt 2 Personen

      1. 🔆Sigrid🔆 sagt:

        Mit Exhibitionisten hatte ich schon drei Begegnungen und wirklich auf die heftige Art zwei Mal. Ich bin nicht prüde und eher offenherzig, aber solche Männer fand ich widerlich. Die brauchen auch immer ein „Opfer“ für ihre sexuelle Befriedigung. Woher so was wohl kommt? Liebe Grüße

        Gefällt 1 Person

  4. Tomasz Bordemé sagt:

    In einem unvollendeten Preequel zu einer meiner Lieblingsstories (Lego) geht einer meiner Lieblingsprotagonisten (Max) genau jener Frage nach. Er ist übrigens Wissenschaftler und praktizert einen evidenzbasierten Sadismus. Die Frage woher unsere Neigungen kommen lässt sich seiner Meinung nach ganz einfach beantworten: Angeboren!
    Wie die meisten ‚richtigen‘ Wissenschaftler hält er recht wenig von den Disziplinen mit dem Präfix ‚Psycho‘. Er behauptet, man würde bezgl seiner Vorlieben bei Speiseis kaum auf Ursachenforschung gehen. Er hasst übrigens Pistazieneis.

    Gefällt 1 Person

    1. Devote Romantikerin sagt:

      Ein pistazieneishassender Sado-Wissenschaftler – herrlich! Pardon, HERRlich.
      Meiner Meinung nach treibt uns die Frage nach dem Ursprung unserer Neigungen aus folgendem Grund um: Wüssten wir, woher es kommt oder wovon, könnte man leichter ausmachen, ob es nun „krank“ ist oder nicht. Natürlich wissen wir BDSMler sowieso, dass es NICHT krank ist. Es geht jedoch um die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Tatsache.

      Gefällt mir

  5. Kadee Mazoni sagt:

    Schön wieder was von Dir zu lesen und auch schön hast Du alles beschrieben.
    Ich denke mal; der beste Therapeut ist das Genital. Dort fließt die ganze Welt zusammen, alle Bilder und alle Phantasien. Es ist wie eine Art Punkt, an dem sich alle Flüsse, die vom Herzen, von der Seele, vom Verstand, von den Erlebnissen kommen, sich kreuzen. Es ist ein Barometer, das uns sagt, wie und wo wir uns befinden und es ist der Impuls, damit die Flüsse sich bewegen. Es ist eine Wünschelrute: man läuft durch die Landschaft und die Ereignisse und sucht nach der Stelle, wo der Glockenschlag ertönt. Der Mensch ist wie ein Kosmos, über ihm unendlich viele Sterne von Möglichkeiten – nichts ist unmöglich. Ich glaube nicht, dass die sexuelle Präferenz nur in der Kindheit liegt, auch nicht, dass sie in den Genen festgeschrieben worden ist. Ich denke die Sexualität ist eine ständige Produktion von Bildern, Phantasien und Ereignissen, die das „Produkt“ selbst immer wieder verändert. Es genügt nur ein Traum in einer Nacht, ich wache auf und bin plötzlich ein Anderer. Wo gestern noch die Rute ausschlug, bleibt sie heute bewegungslos und ich muss, wie ein Wanderer, mir neue Wege suchen. Wozu eine Paar-Therapie, wenn jeder Mensch sein Barometer in seiner Mitte hat? Will ich etwa das, was mich leitet zerstören, um etwas zu kitten, was sowieso auf die Dauer nicht zusammenhält? Der Strom soll immer fließen, die Blüten sollen sprießen, und wenn ich den Fuß in das Wasser stelle, so weiß ich doch, dieser Fluß nicht mehr der, der er noch gestern gewesen war.
    Freue mich auf Deinen zweiten Teil.

    Gefällt 4 Personen

      1. Mic sagt:

        Ich würde sagen, dass das durchaus vorkommen kann und sicherlich in Zeiten, in denen immer mehr Menschen immer leichteren Zugang sowohl zu Informationen zu sexuellen Praktiken als auch zu Personenkreisen, welche diese praktizieren haben, auch vorkommen wird.

        Wobei mir das gedanklich schon fast zu sehr an dem ewigen Vorwurf sexueller Fundamentalisten dran ist, dass alles immer höher, schneller, weiter, extremer werden muss, weil Lieschen Müller auf einmal auch mal was zu SM-Sex gelesen hat.

        Gefällt 1 Person

      2. Kadee Mazoni sagt:

        Noch dazu: Die Genetalien sind unsere Doktoren. Bin ich geil, bin ich auch gesund, bin ich es nicht, liegt irgendwie eine Störung vor. Es betrifft nicht nur den Sex, sondern umfasst den gesamten Körper und auch die Psyche – das Genital ist das unbewusste Barometer.

        Gefällt 2 Personen

  6. waldstern sagt:

    Schön dass du wieder schreibst.

    Und dann auch gleich mit so einem Thema. Da hast du dir eine richtige Fleißarbeit vorgenommen.

    Eine große alte Dame aus der Szene antwortete mir einmal auf deine hier von dir erörterte Frage, dass bei Subs häufig Missbrauchserfahrungen, nicht unbedingt körperlicher Art, gegeben seien. Zu Doms sagte sie auch etwas, ich habe es aber gerade nicht parat oder halt vergessen. Falls es mir einfällt, trage ich es nach.

    Allerdings meinte sie, dass zwar häufig eine entsprechende Wechselbeziehung bestehe, diese sei jedoch nicht signifikant. Nach ihrer Auffassung wäre diese Neigung eher eine Art Orgasmusturbo. So wie es große und kleine Menschen gibt, so ist auch der Libido bei den Menschen unterschiedlich ausgeprägt. Bei manchen ist er stärker, bei manchen ist er schwächer vorhanden. BDSM sei letztendlich, wenn auch nur rudimentär, bei jedem Menschen vorhanden. Menschen die nun einen schwächeren Libido haben, brauchen für einen Orgasmus einen stärkeren Anreiz. BDSM stelle diesen Anreiz für sie dar. Der vorhandene rudimentäre Ansatz wird somit von den betreffenden Personen als Trigger für einen Orgasmus abgefragt.

    Das klingt doch irgendwie schlüssig.

    Auf meine Frage, wie sie selbst zu dem Thema kam, antwortete sie, dass sie in ihrer Pubertät nie irgendeine entsprechende Neigung gehabt hätte. Sie wäre von einem damaligen Freund herangeführt worden, dem sie aus Zuneigung zu Liebe entsprechend entgegenkam und mitgemacht hatte.

    Gefällt 1 Person

    1. Devote Romantikerin sagt:

      Hallo lieber Waldstern. Eine interessante neue These, die du da aufstellst. Klingt schlüssig, irgendwie. Allerdings nur, wenn man keine lebhafte Libido hat ;-). Und ja, jetzt wäre ich schon sehr gespannt, wie sie das Verhalten des dominanten Teils erklärt hatte? Hoffe, du erinnerst dich.

      Gefällt mir

  7. Hot Coffee Cool Pictures sagt:

    Bin kein BDSMler, obwohl mich der Gedanke an leichte Fesselspiele doch schon sehr reizt, anmacht.
    Doch ohne die passende Partnerin ist das ganze schwierig bis unmöglich.
    Und so lange durch die Betten hüpfen bis DIE Richtige kommt, ist nicht mein Ding. In der Hinsicht bin ich ziemlich altmodisch.

    Doch was ich eigentlich zum Thema Fetischmus schreiben wollte: meine Neigung zu Stöckelschuhen, Nylons und Röcken (schöner damenhaften Kleidung) geht zurück auf die 60er und 70er Jahre des letzten Jahrhunderts.
    Tanten liefen damals noch in Stöckelschuhen und im Rock rum, bewegten sich elegant und erotisch zugleich. Man(n) konnte auf Familienfeiern den ein oder anderen Blick unter die Röcke erhalten.

    Und eine Frau im Haus war DAS Objekt des pubertierenden Norbert.
    Auch sie in Rock/Kleid, in Pumps und Nylons. Und wenn sie die Treppe rauf oder runter ging, konnte ich ab und an einen Blick auf ihre schönen Beine erhaschen. Ja, ich habe sie im Treppenhaus abgepasst.

    Und zur damaligen Zeit fuhren Frauen auch im Rock auf ihren Fahrrädern. Und wenn dann der Wind unter die Röcke fuhr … schöne Beine waren da zu sehen. Tolle Zeiten waren das damals.
    Heutzutage laufen viele Frauen in unerotischen Klamotten rum, da mag man(n) manchmal gar nicht hinsehen. Ist leider so.

    Ich fotografiere sehr gerne, doch Models finden, die auch den Fetisch Beine / Pumps / Nylons haben, ist sehr schwer. Klar könnte ich Models „kaufen“, doch wenn man wenig Geld dafür zur Verfügung hat, wird es schwierig. Und Frauen auf der Strasse ansprechen bringt auch nichts. Auch wenn man(n) sagt, dass man wirklich nur Portraitfotos machen möchte, wird man angeschaut, als wäre man ein Schwerverbrecher.
    Stöckelschuhe fotografiere ich deshalb ohne Models, habe ich die Serie „Abseits des Catwalks“ kreiert. So fröne ich dem Fetisch „Schuhe“ auf diese Art und Weise.

    Zwei Fotos zum Thema Beine/Röcke/Nylons/Fesselungen findet Ihr unter den nachfolgenden Links:

    http://www.ohmyprints.com/de/bild/schaedliche-Neigung-/127886/94

    http://www.ohmyprints.com/de/bild/Schoene-Beine-in-glaenzenden-Nylons-3-/187524/94

    Gruß
    Norbert

    Gefällt 1 Person

  8. Knight Owl sagt:

    Ich hatte mich letztens auch erst mit der Frage beschäftigt und einen ewiglangen Text voller Gedanken dazu geschrieben… – angeboren. Definitiv. Zumindest bei mir. Es gibt Dinge, die waren bei mir schon immer so, seitdem ich denken kann. Das gehört dazu.

    Gefällt 1 Person

      1. Knight Owl sagt:

        Ich folge dir schon ne Weile, aber ich hatte meinen alten Blog gelöscht. 🙂
        Ich hatte schon in meiner Kindheit großes Interesse an Entführungsszenarios, Fesseln… usw. Und ich schließe für mich persönlich aus, dass es erst durch Einflüsse aus der Umwelt dazu kam. Das ging mit der Entdeckung meiner Sexualität einher, zumindest nach meinem Empfinden.

        Gefällt 1 Person

  9. kopflosclub sagt:

    Ich finde es immer etwas befremdlich, wenn in Dokumentationen von 3Sat, Arte etc. z.B. über die Ursachen des Erfolges von „Shades of Grey“/BDSM gesprochen wird. Denn es wird häufig versucht, eine Erklärung in der Kindheit oder der Gesellschaft (die Frau hat so viel Verantwortung, Stress…) zu sehen.

    Es ist doch inzwischen belegt, dass in 80% aller Fantasien die Macht eine entscheidende Rolle spielt. Dafür gibt es viele wissenschaftlichen Erklärungsversuche. Über diese sollte man mehr sprechen! Die Natur ist nicht „dumm“. Wenn jemand bei Unerwerfung errekt wird, dann gibt es hierfür einen (biologischen) Sinn.
    Jeder sollte deshalb seine Neigungen ausleben, solange das nicht auf Kosten einer anderen Person geht.

    Mein Fetisch für Lack, Latex, Leder war mir schon vor der Sexualität bekannt. Ich erinnere mich, wie ich meine Mutter frage, was das für ein Material ist. Ich brauche keine Erklärung dafür, sondern akzeptiere diese Neigung.

    Gefällt 1 Person

  10. Elvira sagt:

    Absolut faszinierend Deine Bericht. Sexuelle Neigungen sind zum Glück unterschiedlich. und für alles gibt es das Gegenstück. So ist für den Missionarstellungsliebhaber gesorgt, genauso wie für mich, die ein bisschen mehr Spaß haben will. Der Umgang mit einem Paar-Vibrator würde dabei den ein oder anderen wohl überfordern

    Gefällt 1 Person

  11. Renato sagt:

    Ich glaube das die sexuellen Neigungen in jedem von uns tief verankert sind. Sie kommen nur unterschiedlich stark zum Vorschein. Das ist wie beim Fussball, der eine wie Messi kann es, ich kann es nicht. Dafür bin ich froh, das man heute ******** günstig kaufen kann. Meine Frau ist ja auch mal bei der Arbeit

    Gefällt 1 Person

    1. Devote Romantikerin sagt:

      Lieber Renato
      Herzlich willkommen auf meinem Blog. Da du verheiratet zu sein scheinst, gehe ich davon aus, dass du zu einem anderen Zeitpunkt in deinem Leben mit dem Thema „Werbung“ schon mal subtil und überzeugend umgegangen bist. Gratuliere!
      Möglicherweise ist dir die Werbung für die sexy Produkte deiner eigenen Website einfach so „rausgerutscht“? Das passiert euch Männern ja manchmal, kchkch….

      Devot und dienstbar, wie ich nun mal bin, habe ich – extra für dich – das Missgeschick gleich in deinem Kommentar „ausgemerzt“. Das ist eine extrem subtile Sonderbehandlung und ich hoffe, du weisst mein Engagement zu schätzen.

      Mit herzallerliebsten Grüssen
      Deine devote Romantikerin

      Gefällt mir

  12. Starks7 sagt:

    Hast du John Money gelesen? Müsste dich theoretisch interessieren. Ich kenne den Inhalt seines Buchs „Lovemaps“ nur über Sekundärquellen, aber laut ihm sind diese Maps von Geburt an in jedem Menschen angelegt und bestimmen seine Sexualpräferenzen (Orientierung und Neigungen). Durch präpubertäre Erlebnisse entscheidet sich dann, welche Neigungen der Lovemap aktiviert werden und welche nicht. Deckt sich im Prinzip mit deinen Beobachtungen. Das Werk ist aber aus den 1980ern, dürfte also noch ein etwas rückschrittliches Denken über BDSM & Co. enthalten.

    Gefällt mir

  13. Robert sagt:

    Bin als Kind/Teenager sehr oft von meiner strengen Mutter versohlt worden, immer auf den nackten Hintern! Irgendwann in der Pupertät merkte ich, dass es mich erregt, wenn sie mich versohlt.
    Diese Neigung ist bis heute geblieben.
    Würde mich auf Erfahrungsaustausch mit anderen freuen!
    Gruss mal.

    Gefällt mir

    1. Devote Romantikerin sagt:

      Hallo Robert
      Willkommen auf meinem Blog.
      Ein interessantes Thema. Bin gespannt, ob es dazu noch andere Meldungen gibt.
      Das deine Mutter dich oft versohlt hat, kann ich mir vorstellen. Leider hat sie es nicht vollständig geschafft, dir höfliche Manieren beizubringen.
      ‚Gruss mal‘

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s