Masochistin

Diesen Artikel schreibe ich aus der Sicht einer aussenstehenden Beobachterin. Eine Sub, die selbst nicht masochistisch ist, die aber alle Frauen – vor allem die Subs – als ihre Schwestern sieht. Und aus der Sicht einer Devoten, die einen Sadisten liebt.

Submissive Frauen scheinen eine tiefe Sehnsucht in sich zu haben, die Verantwortung für ihr Wohl und Wehe abzugeben. Sie träumen davon, dass da einer kommt, der sie liebt und führt und in dessen Armen sie sich fallen lassen können. Devotion ist unser Weg, Zugang zu unseren Gefühlen zu erhalten, ganz wir selbst sein zu können, uns zu entspannen, zu lieben…. Und als Zückerchen obendrauf führt er uns zu Orgasmen! Geilen, superstarken Orgasmen.

Submission ist unsere Art, Verbindung mit einem Mann herzustellen und uns in seiner Gegenwart zu entspannen. Vielleicht sind wir – ich auf jeden Fall – da ein wenig schwarz-weiss gestrickt: entweder der Kerl hat unser Vertrauen, oder er hat es nicht. Punkt.

So, und dann kommen die Masochistinnen ins Spiel, für die das Ganze noch einen Tick mehr beinhaltet. Oftmals scheinen sie Worte wie „Prüfung“, „Leistung“, „Überwindung“ und ja, auch „Zerstörung“ in ihrem Vokabular zu haben. Die Aussage „mach‘ mit mir, was du willst“ ist vermutlich von einer Masochistin am wörtlichsten von allen gemeint. Und mit „Grenzen überwinden“ meinen sie vielleicht viel öfter auch die physischen, mehr, als ich das als Submissive je wollen würde.

Ich glaube daran, dass der Mensch an sich arbeiten und Vergangenes verarbeiten kann. Ich denke aber nicht, dass dies etwas an unserer Sexualität und vor allem an unseren Neigungen ändern wird. Selbst wenn die Umstände, unter denen die Neigung entstand, aufgearbeitet sind, so bleibt doch immer noch die Neigung als Bodensatz aus der unbekannten Zeit vor oder nach der Geburt und in der Kindheit, in der sie sich in uns entwickelte. Und weil uns ebendiese die heissen Orgasmen beschert, wollen wir sie auch gar nicht missen.

Neben diesen ‚Schatten auf unserer Seele‘, die wir in unser Dasein integriert und zu lieben gelernt haben, sind wir trotzdem Menschen, die sich wie alle nach tiefer Liebe sehnen. Ich sehe Frauen. Masochistische Fauen. Oft umwerfend klug und differenziert, sensibel, kreativ und gefühlvoll. Und dazu: Das Selbstzerstörungsgen.

Wenn solche Frauen es schaffen, die wenigen sadistischen Männer zu finden, die ebenfalls umwerfend klug, differenziert, sensibel, kreativ und gefühlvoll sind, mündet dies in eine sehr glückliche und langjährige Beziehung oder Ehe. Ein charakterstarker Mann, der Sadist ist, kann nicht glücklicher sein im Leben als mit euch an seiner Seite.

Was aber, wenn nicht? Nun, die anderen, die ihr trefft, mögen ebenfalls Sadisten sein. Sie sind es aber aus Frauenhass, aus Verachtung, aus Egoismus, um noch das Harmloseste zu nennen. Leider triggern auch diese euch und das kleine fiese Gen der Selbstzerstörung in euch.

Konsequent zuende gedacht, könnte man annehmen, dass die Masochistin ihr Glück selbst dann findet, auch wenn es, Stück für Stück, ihr eigenes Verderben sein wird.

Ich bin jedoch überzeugt, dass auch in dir als Masochistin etwas ist, dass nicht ganz Sterben will. Du wünscht dir Zerstörung, um eine Wiederauferstehung erleben zu können. Du wünscht dir Zerstörung, die einen Samen für Neues in sich trägt.

Dazu brauchst du einen starken, dominanten Mann, der auch Sadist ist.

Bitte lasst euch unterwegs nicht von allzu vielen Dilettanten beschmutzen, meine lieben Schwestern.

Wählt weise, denn für den Richtigen seid ihr ein Diamant.

Er wird euch niemals fallen lassen.

 

Lust auf mehr? Hier:

Die zehn Dom Gebote 2

Traumdom

Inspiriert wurde dieser Artikel von MeineGrenzen. Sie schreibt differenziert und beschreibt die zum Teil für mich verstörenden Einzelheiten. Ihre Gedanken halfen mir, das Puzzle des Masochismus fertig zusammen zu setzen und in Worte zu formen. Hier eine Kostprobe von ihr, für dich:

J. – Erfahrungen einer Sub

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

12 Gedanken zu “Masochistin

  1. Die Kopfkino Lady sagt:

    Vielen Dank für diesen Artikel, Schwester.
    Da ich nicht nur submissiv bin, sondern zu einem mehr oder weniger großen Teil masochistisch, kann ich dir nur voll und ganz zustimmen:
    Der Drang nach Selbstzerstörung ist groß, allerdings ist für mich persönlich ganz wichtig, dass ich danach wieder aufgefangen werde. Die Kombination aus Zerstörung und wieder zusammensetzen ist es, die mich reizt.
    Ein Partner, welcher zerstört, aber sich nicht um das Wohlergehen seiner Sub im Nachhinein kümmert, verliert mein Vertrauen sofort – sofern er es im Voraus überhaupt hatte, allerdings ist es bei mir wie bei dir: entweder ein Mann hat mein Vertrauen oder nicht.
    Nur den Mann, der die Zeit danach wertschätzt, sowie die Zeit davor und währenddessen, möchte ich meinen Dom nennen. Denn dieser Mann wird auf Dauer auch 200% meines Vertrauens bekommen.
    Gerade als nicht nur submissive, sondern auch als masochistische Sub finde ich es schwer, einen vertrauenswürdigen (Spiel-)Partner zu finde, da es so viele dort draußen gibt, die der Meinung sind, dass man dann auf jede Art des Schmerzes und der Selbstzerstörung steht. Ein „mach mit mir, was du willst“ bedeutet für mich nicht, dass man meine Hard-Limits übergehen darf, ohne vorher darüber kommuniziert zu haben. Auch ein alltägliches „ach komm, du stehst doch sowieso auf Schmerz“ bedeutet für mich, dass diese Person niemals mein Vertrauen erlangen wird. Ich fühle mich dann einfach von vornherein unwohl.
    Zu unterscheiden wäre von meiner Seite noch der emotionale und der physische Schmerz: mag man nur physischen Schmerz oder mag man es, dabei auch noch nieder gemacht zu werden?
    Ich denke, dass die Auswahl der Männer, die mein vollstes Vertrauen bekommen diesbezüglich, sehr klein ist. Und jemanden zu finden, bei dem man sich völlig fallen lassen kann und auch mal alle Dämme brechen lässt, ist sowieso für jede Sub ein Abenteuer. 🙂

    Liebe Grüße von der Kopfkino Lady ❤

    Gefällt 2 Personen

    1. Devote Romantikerin sagt:

      Liebe Schwester, ganz herzlichen Dank für deine wertvollen Ergänzungen. Ich habe über Masochismus lange nachgedacht und brauchte eine ganze Weile, bis ich es in etwa auf der Reihe hatte. Deshalb freue ich mich besonders, dass ich nicht so ganz daneben liege mit meinen Annahmen. Alles Liebe für dich und nur den Besten, wenn es um die Liebe geht!

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  2. Elke sagt:

    Ein fantastischer Blog~

    Ich liebe deine genauen Beobachtungen und die klare,wohlwollende Sprache und gehe hier nur auf den „Drang nach Selbstzerstörung“ ein.
    Thematisch beschäftige ich mich gerade mit dem Thema“Palliative Care“ .Da geht es auch um die Abgabe des eigenen „Ich“ in einer Extremsituation, auch Mönche tun dies,in der Meditation geschieht es,im Yoga,im Krieg….
    ….ja und in meinen Schwangerschaften tat ich es auch, für die werdenden Kinder.

    Und während ich dies schreibe, ist ein Wort am allerlautesten: das Wort „FÜ (h)R“ – mit und ohne „H“.

    Da beginnt das Geheimnis jeder „Neigung“, da findet sich der Bodensatz jeden Lebens .

    Und je extremer/je weniger Grenzen, desto mehr „Für“, desto mehr Orgasmus.
    Es ist nichts anderes als „Erleuchtung“. Und dahin sind die Wege immer einsam, voller Gefahr und vor allem sehr verschieden.

    Ich habe hohe Achtung vor jedem einzelnen Weg und bin gerade wahnsinnig glücklich über deine Worte.
    Denn ich habe mich als oft ziemlich ungehorsame Sub erkannt🤣🙃🙄. Allerdings ist mein größter Dom das Leben selbst.😱😵😤🤐🙈🌠LG,Elke

    Gefällt 1 Person

    1. Devote Romantikerin sagt:

      Wow, Elke, vielen Dank für deine leidenschaftlichen Worte, die nochmal einen Blick aus einer ganz anderen Perspektive auf die Sache geben. Du hast Recht, es ist die Suche nach Transformation, nach dem Überschreiten einer Schwelle, nach Aufgabe des eigenen ich. Morning Magic – Danke!

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  3. Master Dan sagt:

    Es geht um Fokus, wo sollen sich meine grauen Zellen damit beschäftigen?
    Das sich fallen lassen ist nicht anderes als „ich stelle mein Körper und mein Geist auf empfang um“ und wenn das geschieht ist die Welt eine andere. Was Masochisten unterscheidet ist das sie wissen der Schmerz als Verstärker zu benutzen, sie bekämpfen es nicht sondern lassen es zu um noch mehr in dieser Empfindungswatte hinein zu tauchen. Und das macht süchtig. Der Drang nach Selbstzerstörung ist eigentlich ein Drang nach Glück, ein Glück der anderweitig nicht zu finden ist.

    Sadistische Grüsse

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