Safewords und Grenzen

 

Liebe hat keine Grenzen – aber ein Safeword

BDSM ist kein Plüschisex und es kann zuweilen rau zu und hergehen. Das geschieht selbstverständlich mit dem Einverständnis aller Beteiligten – sonst wäre es nicht BDSM, sondern Gewalt.

Ein Safeword (Stoppwort) dient dazu, dass die Sub eine Session abbrechen kann, wenn die Aktion über ihre Grenzen geht. Sinnvoller Weise verwendet man keinen Ausdruck, den man auch sonst während des Liebesspiels verwenden würde. Bei BDSM Spielen funktionieren also ‚Nein‘, ‚Stopp‘ oder ‚Hör auf‘ nur suboptimal. Besser ist ein Wort, dass nichts mit Sex zu tun hat.

Wenn die Sub „Tomate Kaufhaus Steuerrechnung…“ schreit, hat sie vermutlich ihr Safeword vergessen.

Gut ist auch, wenn das Wort in jeder Situation klar ausgesprochen und nicht missverstanden werden kann. Es könnte ja vorkommen, dass man etwas im Mund hat, wenn man es benutzen will…

BDSM Safeword Martha

 

Sollten dir in diesem Punkt Fehler unterlaufen, könntest du dein blaues Wunder erleben.

Ist die Sub neu im Spiel, kennen sich die beiden Parteien noch nicht sehr gut oder will ein Paar etwas Neues ausprobieren, dass die Sub noch nie erlebt hat, kann die Version mit den Ampelfarben hilfreich sein. Grün = alles super. Gelb = Achtung, komme an meine Grenze. Rot = Stopp!

Übrigens gilt im BDSM: Lanciert die Sub ein ‚Stopp‘, so wird das Spiel unverzüglich und vollständig abgebrochen. Mit ‚vollständig‘ meine ich, nicht nur die momentane Handlung wird unterbrochen, sondern die gesamte Session. Das macht Sinn, denn die unterwürfige Person sollte ihr ‚Halt‘ ernst meinen und nicht als Manipulationsinstrument gegenüber dem Dom benutzen. Selbstredend, dass es keine bösen Worte bei einem Abbruch gibt. Niemand ist schuld oder hat etwas falsch gemacht. Danach kann man darüber reden, was passiert ist oder sich erst mal einen Kaffee rauslassen und zusammen in die Badewanne gehen. Was-auch-immer, es ist eine der Stärken von BDSM-Beziehungen, dass sie sehr viel Wahrheit und ‚Unregelmässigkeiten‘ erlauben. In allen Sinnen des Wortes.

Neuerdings gibt es richtige Verbalschlachten in Foren und auf Twitter, ob nun diejenigen, die ein Safeword benutzen, oder die, die ihm abschwören, im Recht sind.

Persönlich habe ich seit Äonen keins mehr gebraucht. Allerdings bin ich auch nicht masochistisch veranlagt. D.h., mein Sex mag zwar einen gewissen Schmerz, wie zum Beispiel Spanking, einschliessen. Er geht aber nicht permanent an meine physischen und psychischen Grenzen oder darüber hinaus. Vorstellbar, dass dies bei Frauen, die maso sind und den Schmerz lieben und brauchen, anders aussieht. Ebenfalls ist anzumerken, dass ich quasi nie ’spiele‘, sondern immer Sex in Beziehungen habe. Vor dem ‚Countdown‘ war also immer Zeit, sich näher kennen zu lernen sowie Likes und Dislikes zu verhandeln.

Für mich gibt es bei ‚Safeword‘ oder ‚kein Safeword‘ kein Richtig oder Falsch. Fatal finde ich es, wenn man sich besonders cool finden will, nur weil man keins benutzt (das schrammt hart an Dummheit). Ebenso blödsinnig ist die andere Liga, die behauptet, ohne Safeword geht gar nichts und die dies nicht auf die eigenen Vorlieben beziehen sondern es als ‚Gesetz für alle‘ sehen.

Für eine lebendige, intensive und authentische Liebe sind Grenzen wichtig. Dies gilt meiner Meinung nach nicht nur für BDSM-Beziehungen. Die Diskussionen darüber, ob man ein Safeword zu benutzen hat oder nicht, sind meiner Meinung nach die falsche Baustelle. Viel wichtiger ist es, im Gespräch ganz allgemein offen und authentisch zu sein. Auszusprechen, was einen reizt. Ehrlich zu sein, wenn man etwas nicht möchte. Damit eröffnet man die Chance für eine Beziehung, in der Nähe und Vertrauen wachsen und sich vertiefen können. Dann wird der Sex auch noch nach Jahren aufregend sein und euch jedes Mal wieder um den Verstand bringen.

Fuck happy. Love deeply.

Eure Stella

BDSM legs

 

 

 

 

 

 

 

 

13 Gedanken zu “Safewords und Grenzen

  1. Master Dan sagt:

    Sehr schön 🙂
    Ich hatte noch nie der Genuss jemand verzweifelt „Steuerrechnung!!!“ schreien hören…
    Ich sage Genuss weil ich wahrscheinlich nach der Abbruch ein Lachanfall bekommen würde 😉

    Ich möchte nur ein paar praktische Ergänzungen vorbringen.
    Es mag schon ziemlich abgelutscht sein aber „Autsch!“ ist auch kein Safeword 🙂
    Zur Verständlichkeit, auf Deutsch funktioniert die Ampel auch mit ein Ball-Gag: „üüüh!“, „äääh!“ und „oooh!“ sind klar erkennbar. Ich würde entgegen komplizierte Wörter vermeiden: „ahikoheahehaheh“ ist zum Beispiel schwer als „Aprikosemarmelade“ zu erkennen…

    Und da ich als Dom ein andere Sichtpunkt vertrete, möchte auch ein Aspekt ansprechen der häufiger passiert als man denkt: die Sub spricht kein Safeword aus.
    Liebe Subs, wir Dom mögen sehr wenn ihr über Grenzen hinweg wollt. Allerdings dies sollte ohne falsche Stolz und ehrlich geschehen. Es bringt nichts wenn ihr die Zähne zusammenbeisst und doch verzweifelt. Es ist nicht die Intensität der Schmerz die uns reizt sondern wie intensiv ihr reagiert.

    Und zu guter letzt, ein Appell an alle beteiligte:
    Safeword hin oder her, lernt euch kennen!
    Ein Safeword ist wie eine Versicherung: gut wenn man eine hat und doch hofft man das der Fall nie eintritt. Wenn man sich aber gut kennt, wird ein Safeword automatisch überflüssig weil der Dom schon vorher weiss wo die magische grenze ist.

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  2. lilasumpf sagt:

    Ich glaube, dass das Thema Safeword in jeder Situation und bei jeder neuen Verpaarung (:-) ) angesprochen werden sollte. In einer langen Beziehung ist es wahrscheinlich nicht mehr nötig, bei einem BDSM-ONS tendenziell eher schon. Bei Spanking habe ich übrigens immer am ehesten gesafeworded, an anderer Stelle eben nicht. Das ist soooooo unterschiedlich und von den Menschen abhängig, die da aufeinander treffen, dass es da einfach keine Allgemeingültigkeit geben kann.

    Ich stimme Euch beiden absolut zu bei „Ich habe ein Safeword und nutze es nicht, weil….“

    Das grenzt an Dummheit und ist gefährlich – aber passiert.

    Mir z.B. sehr oft – weil ich nicht enttäuschen will. Weil ich mich vor schlechter Stimmung hinterher fürchte. Weil es an meiner Psyche nagt. Meine Konsequenz? Nicht mehr mit beliebigen Doms spielen. Vertrauen ist oberste Vorraussetzungen und damit kommt dann auch das Wohlfühlen zum Safeworden.

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    1. Devote Romantikerin sagt:

      Liebe Lilla, seit ich deinen Blog mitlese, bist du einen weiten Weg gegangen und hast so viel für dich erreicht. Gratuliere! Nun bist du auf dem Stand, dass du spürst, was du brauchst und bewusst neue Entscheidungen treffen kannst. Zum Beispiel diejenige, dich, deine Zeit und Hingabe nicht ‚beliebig‘ zu verschenken. Wenn du mich fragst: Guter Sex resultiert immer (auch) daraus, das zwei Menschen sich selbst erkennen können und den Mut haben, authentisch zu sein. Bei BDSM, umso mehr.

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      1. lilasumpf sagt:

        Danke Dir! Und absolut, ich stimme Dir da zu – zumindest, was mich und meine, nennen wir es mal, Grundvorrausetzungen angeht. Ich bin mir sicher, dass es andere Menschen können – in Grauzonen eintauchen ohne sich wirklich zu kennen, ohne Reflektion, ohne Vertrauen. Ich kann es eben nicht und vorallem will ich es auch nicht mehr. Ich glaube, dass das der entscheidende Faktor ist. Können kann ich bestimmt vieles, aber will ich das auch wirklich? Und wenn ich diese Frage nicht wirklich mit einem herzensstarken „JA“ beantworten kann – dann bin ich mittlerweile eben einfach ein bißchen vorsichtiger und langsamer 🙂 Und das, ohne dies als einen Mangel zu empfinden… 🙂
        Dir ein schönes Wochenende 😉

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  3. Nymphophelia sagt:

    Schön geschrieben, Romantikerin. 🙂 Aus meiner Erfahrung kann ich noch hinzufügen, dass es einen Unterschied machen kann, ob man auf den tatsächlich „Spiel“- im Sinne von „Schauspiel“-Charakter der Session bzw. des Spiels selbst steht. Ich zum Beispiel habe bei meiner ersten, auch schwierigen Erfahrung mit einem Dom immer gesagt, dass ich ich selbst bin – auch im Spiel. Ich nehme keine Rolle ein oder besser: ich spiele nicht. Und auf Rape-Plays stehe ich auch nicht wirklich. Heißt: wenn ich Tränen in den Augen habe und schreie oder bitte, dass mein Gegenüber aufhört, dann ist das bei mir nie gespielt. Dann will ich, dass der Top aufhört.
    Umgekehrt sagte ich ihm immer, dass ich das Gefühl nicht mag, dass er so sehr in einer Rolle drin ist, dass ich ein bestimmtes Wort brauche, damit er sieht, dass ich mich nicht mehr wohl fühle.
    Nun ja.

    Heute, da ich mehr Erfahrung habe, auf Veranstaltungen spiele und die Sessions härter und intensiver sind, habe ich gute Erfahrungen mit Safe-Words gemacht, bin also unschlüssig – ich denke nicht, dass es da ein Credo für alle gibt. Kommt auf die Spielpartner an und vielleicht auch auf die Art der Session?

    Am Ende des Tages aber in jedem Fall wichtig, drüber nachzudenken.

    Nachdenkliche Grüße in den Tag
    Ophelia

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    1. Devote Romantikerin sagt:

      Liebe Ophelia, herzlich willkommen auf meinem Blog und lieben Dank für dein Kompliment. Du sagst es: Es gibt nicht die eine richtige Lösung. Mal stimmt diese Variante, mal die andere. Und schlussendlich ist vor allem wichtig – wie das Master Dan weiter oben erwähnte – dass wir überhaupt den Mund aufmachen und mitteilen, was wir brauchen.
      Verspielte Grüsse, Stella

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  4. extremunlimited sagt:

    Ich bin auch der Meinung das ein Safeword unerlässlich ist. Wir haben sogar ein Klopfzeichen das eindeutig ist. Denn wenn ich sprachgehindert bin,durch Dinge die ich gerade im Mund habe, oder mit dem Rücken zu meinen Dom stehe, ist auch ein non verbales Safeword für uns nötig. Übrigens Super Beitrag. Von Dir kann ich immer etwas dazu lernen.

    Gefällt 3 Personen

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