Bist du rasiert?

„Bist du rasiert?“ ist die ultimative Spiesserfrage von sex-weltfremden Personen. Angefangen bei Teenagern, die sich grade ihren Weg im erotischen Dschungel suchen, bis hin zum rasenmähenden Biederman. Kurz gesagt: Von Menschen, die entweder von Sex (noch) kaum eine Ahnung haben oder aber, die so lustfeindlich und verklemmt sind, dass ‚die Haarfrage‘ ihrer Meinung nach die ultimative Kundgebung der eigenen Modernität, Lockerheit und Ansprüche darstellt.

Drehen wir die Zeit etwas zurück. Wir schreiben die 1990er Jahre. Die Welt steht kurz vor dem Anbruch des Internetzeitalters, doch noch wissen wir nichts davon. Wir kriegen das zu lesen, was in der Zeitung steht oder was wir im Briefkasten finden. Wen bezüglich Sexualität kribbelnde, aber, sagen wir mal, nicht so konventionelle Fragen plagen, der muss sich je nach Alter mit der BRAVO oder mit dem PLAYBOY behelfen. Die moderne Kommunikationsform ist das Telefon und wenn man ein Inserat irgendwo aufgibt, gibt es eine Chiffre und man erhält Briefe. BRIEFE!

Stellen Sie sich eine junge Frau vor, die in dieser Zeit versucht heraus zu finden, wer sie ist und was diese ganz speziellen Gefühle zu bedeuten haben…

Damals gab es neben PLAYBOY auch PLAYGIRL. Waren eine Menge hübscher Jungs drin. Doch Kerle, die mit nacktem Oberkörper an irgendwelchen Bäumen lehnend pseudoerotisch in die Kamera blickten, hatten noch nie ihr Blut in Wallung gebracht. Jedenfalls nicht auf Fotografien…

Die ersten sachdienlichen Hinweise entdeckte sie in Männermagazinen. Darin fand sich hin- und wieder eine Geschichte, die ihre Aufmerksamkeit erregte. Und nicht nur diese! Sie war verstört. Denn gleichzeitig machten sie diese Geschichten auch so unglaublich wütend. Das konnte doch nicht wahr sein! Was erlaubten die sich! Eine dieser Initialszenen beschrieb eine Frau, die nackt über eine Wiese kroch. Der Rest der Szenerie verblasste mit der Zeit in ihrem Gedächtnis, doch die einzelnen Bilder brannten sich in ihrem Kopf ein und liessen sie nicht mehr los. Stück für Stück kam sie der Sache auf die Spur.

Ihre beste Freundin marschierte damals beherzt in die grosse Buchhandlung einer finanzkräftigen Metropole, um für sie ‚Die Geschichte der O‘ zu bestellen. Sie setzte sich dem gestrengen Blick der Verkäuferin aus. Und nach einigen Wochen brachte sie die Beute mit nach Hause. Zu behaupten, dass die gierig Lesende alles verstanden habe, was in dem Buch stand, wäre übertrieben. Das könnte eventuell auch daran gelegen haben, dass es sich um die englische Version des Werks handelte. Französisch wäre ganz und gar unmöglich gewesen. Wie sinnig…  Jedenfalls war hinterher der englische Wortschatz dieser wissensdurstigen jungen Dame um einige interessante Vokabeln reicher.

Dann kam ihr erstes Inserat:

„Wenn Du weisst, was Du willst, bin ich ganz O(hr)“

Wie bereits erwähnt folgten: Briefe. Ungefähr siebzig, in der ersten Woche. Und dann immer mehr. Ihre Wohnung beherbergte plötzlich eine überdurchschnittlich grosse Anzahl von Fotos männlicher Genitalien. Einer schickte sogar ein Puzzle, dass zusammengesetzt sein (komplettes) Konterfei ergab. Ein süsser, attraktiver Lehrer, der leider nicht ganz verstanden hatte, was sie suchte. Ein anderer bot sich an, ihr die Musik näher zu bringen. Und viele viele andere … Genau. Sprechen wir nicht davon.

Jedenfalls kam die wissensdurstige junge Frau Stück für Stück dem Rätsel auf die Schliche. Sie erfuhr von eleganten Parties, an denen die Männer im Anzug oder Frack erschienen und die Damen mit … fast nichts. Ein unabdingbares Gebot war, dass die Dame rasiert zu sein habe. Sie konnte nackt sein unter dem Cape oder ein elegantes Kleid tragen, ganz wie es der Gentleman wünschte. Doch alle Frauen hatten rasiert zu sein.

BDSM Einblicke CiHxTIxVEAAyqbx.jpg_large

Unsere wissensdurstige junge Frau tauchte zu dieser Zeit ins BDSM ein und hat seither immer neue Tiefen und Riffe entdeckt, umschwommen oder sich von ihnen weiter in die Tiefe ziehen lassen.

Und eines Nachmittags, sie befand sich zu der Zeit grade in einem sehr heissen und sehr feuchten Land, fasste sie sich ein Herz und zum Rasierer, den sie sonst immer für ihre Beine benutzte.

Sie erlebte zum ersten Mal dieses Gefühl … aber das ist eine andere Geschichte.

 

„Bist du rasiert?“ – „Ach Jungchen …“

BDSM Frag einfach nicht

 

 

 

 

 

 

 

13 Gedanken zu “Bist du rasiert?

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