Girl in a Green Dress

ER

Alles stümperhafte ist mir ein Graus. Nehme ich eine Frau ins Visier, erfasse ich sie so umfassend, dass mir nicht die kleinste Nuance ihres Wesens entgeht. Das erschüttert sie zuweilen, in einem positiven Sinn. Und es ist Teil des Netzes, mit dem ich sie umschlinge und an mich fesseln werde. Es ist Teil meiner persönlichen Faszination für alles Weibliche und für die Geliebte insbesondere. BDSM beginnt schon lange, bevor sie nackt vor mir liegt.

Wir treffen uns seit einigen Wochen. Das erste Mal war ein Blind Date, aufgrund einiger Mails, die zwischen uns hin und her gegangen waren. Sie schrieb eloquent, emotional und eigensinnig. Ausserdem beschäftigte sie das Wort ‚Disziplin‘, was den gefährlichen Teil meiner Phantasie zum Leben erweckte. Obwohl ich vorher kein Foto von ihr gesehen hatte, erkannte ich sie auf dem Bahnsteig sofort. Ich küsste sie noch am gleichen Abend.

Inzwischen ist der Herbst in einen nasskalten Winter übergegangen. Es war Zeit für ein paar heisse Überraschungen. Ich liebe es, eine Frau komplett – und zwar von aussen nach innen – einzukleiden. Also nahm ich sie mit, als ich für mich einen neuen Ledergürtel suchte. Sie begleitete mich durch die Läden und ich lies‘ sie einige Kleidungsstücke anprobieren und vorführen. Hauptsächlich ging es mir darum, zu sehen, was zu ihr passte. Gleichzeitig sollte sie bei der Auswahl des Gürtels helfen…


SIE

Lächelnd packe ich die duftenden Badekugeln aus und lasse heisses Wasser einlaufen. In mir ist eine entspannte Unruhe, falls es so etwas gibt. Der Tango hat begonnen. Ich weiss, dass ich mich führen lassen werde. Die Kleider liegen auf dem Bett und eine kleine Karte, die ich erst ganz zum Schluss öffnen werde. Mit einem Seufzer sinke ich ins warme Badewasser.

BDSM Badewanne index

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ER

Im Paket wird sie einen warmen Wintermantel aus luxuriösem, silbergrauen Fake Fur finden. Die Ärmel sind weit auslaufend, so dass sie das Paar schwarze, bis zum Ellenbogen reichende Lederhandschuhe mit den silbernen Reissverschlüssen darunter tragen kann. Der Mantel hat einen breiten Bindegürtel, welcher ihre schmale Taille betonen wird. Mit einer Länge bis zur Mitte des Oberschenkels ist er perfekt für meine Pläne. Die Sonnenbrille mit farbigen, verspiegelten Gläsern wird den Style brechen und ihr ermöglichen, ihre Umgebung zu beobachten, ohne sich zu verraten. Als Darunter habe ich ein weibliches, locker fallendes, knielanges Kleid aus dunkelgrünem Samt gewählt. Die Farbe wird ihre helle Haut und die kupferne Mähne schimmern lassen. Ganz zu schweigen von dem, was sie selber spürt, wenn der schwere Samt die hauchzarten Nylons streichelt. Mir gefällt der unaufgeregte, kreative Stil französischer Frauen, dieses „je ne sais pas“. Und eine ebensolche Frau, die ihre Sinnlichkeit wie eine zweite Haut trägt, habe ich vor mir, da bin ich sicher.

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Sie

Nackt, mit dunkelrot lackierten Finger- und Zehennägeln und mit einem Glas Champagner bewaffnet fläze ich mich in den grossen hellgrauen Ohrensessel. Neugierig öffne ich das kleine Päckchen, welches er mir separat per Post gesendet hatte. Darin finde ich zwei paar Nylonstrümpfe und eine Anweisung, mit den Hellen zu beginnen. Von einem Slip steht nichts geschrieben. Also streife ich mir die Hellen langsam über und ziehe sie vorsichtig hoch. Sie sind seidig und hauchzart. Vor dem Spiegel bemerke ich ihren wunderschönen Glanz, aber auch, dass sie nichts der Phantasie überlassen. Alles zwischen meinen Beinen ist exakt abgebildet. Ich bin angezogen nackt.

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Beim zweiten Paar handelt es sich zu meinem Erstaunen um grob-gestrickte Overknee-Strümpfe. Ich streife das Kleid über den Kopf. Samtig umschmeichelt es meinen nackten Körper. Dann kommt der Mantel und – ha! eine Sonnenbrille im Winter. Also gut.

Das glatte Material der Nylons und das Samt auf meiner Haut verursachen mir ein warmes Kribbeln. Ich verpacke mich mit Mantel, Schal, Mütze und Handschuhen. Zuletzt ziehe ich die Overknee-Strümpfe über die Knie und schnüre die Stiefel. Zufrieden grinse ich mich im Spiegel an.

Er hat mir einen Zettel beigelegt:

„Geh‘ ins Cafè Fortuna.

Nimm‘ am Fenster Platz. Du weisst, wie.

Warte auf mich“

 

 

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23 Gedanken zu “Girl in a Green Dress

      1. Anonym sagt:

        Nein, weit gefehlt. Generell finde ich Geschichten, die nach einem so vielversprechenden Anfang einfach abbrechen, ausgesprochen heimtückisch. Vermutlich wollen die Autoren – in diesem Fall bist das Du – das Kopfkino des Gegenübers zum Laufen bekommen, aber das klappt bei mir auf diese Art nicht, aus folgendem Grund:

        Die Geschichte enthält eine ganze Reihe von Dingen, die auf ein größeres Ganzes schließen lassen, dass der fiktive Top im Hinterkopf hat. Und das ist *sein* großes ganzes, nicht meines. Ich würde mit Sub nicht einkaufen gehen, ich würde ihr kein grünes Kleid kaufen, und ich würde sie vermutlich auch nicht ohne Slip in die Auslage setzen (wobei, wenn ich es mir recht überlege, darüber ließe sich diskutieren). Zudem kann das ja nur der Anfang von etwas umfangreicherem sein.

        Dann sie: Sie denkt, dass sie sich führen lassen wird. Sehr fein, das macht mich auch an, aber dann wiederum ist es noch viel zu wenig von ihrer Gedankenwelt, als dass wirklich ein Bild bei mir im Kopf entstünde – ausser meinen eigenen Bildern, die ich kenne. Der Reiz einer Geschichte ist für mich doch irgendwie, sich führen zu lassen, jemandes anderen Phantasie zu erhaschen und sich an ihr zu ergötzen.

        Mit diesem Coitus Interruptus hast Du mich gestern Nacht einfach so (non-con!) sitzen lassen.

        Die Overknee-Strümpfe waren also lediglich der Aufhänger für diesen viel größeren Gedankengang. Sie haben sich angeboten, weil sie am offensichtlichsten ein Teil des größeren Plans sind, der dem Leser vorenthalten bleibt.

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      1. margauxnavara sagt:

        Nein, nein, nein, meine Liebe, so geht das nicht! Diese Geschichte (oder besser diesen Bruchteil einer Geschichte) hast du dir selbst eingebrockt. Den kannst du weder mir noch JanJan einfach aufdrängen, das wäre ja, als sollten wir deine angefangene Mahlzeit zu Ende bringen oder gleich nach dem Vorspiel (deinem!) mit demselben Mann weitermachen … Kommt gar nicht in Frage. Schreib du nur schön weiter. Ich warte solange … (ungeduldigmitdemFingertrommel)

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        1. Devote Romantikerin sagt:

          Liebes, ich hatte die Geschichte nicht als Mehrteiler angelegt. Es ist eine erzählte Erlebnisfrequenz, deren persönliches Ende ich nicht geplant hatte zu veröffentlichen. Meine Einladung an eventuelle Lesende, einen eigenen Fortgang dazu zu phantasieren, gilt. Ich wünsche mir, diesen als Ermunterung oder Einladung verstanden zu wissen. Sollte es als Bedrängnis oder ‚Resteessen‘ aufgefasst worden sein, bitte ich um Entschuldigung.

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  1. waldstern sagt:

    Die Grundidee hätte von mir sein können; das habe ich so ähnlich schon mal versucht. Sie hat aber nicht mitgemacht. War damals wohl nich in bzw. sie war eine Vertreterin jener Frauen, die keinen Sinn für Kleidung hätte.

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      1. waldstern sagt:

        Den Kleidungspart wollte sie nicht mitmachen.

        Du musst hier zu berücksichtigen, ich bin schon etwas älter. Auch vor 30 Jahren konntest du beispielsweise eine TAZ-Redakteurin finden, die sich gerne übers Knie legen ließ. Aber jetzt für ihn solche bourgeois-dekadenten Kleidungsstücke zu tragen, das war dann doch zu viel. Latzhose und Pullover in Handstrickoptik, war damals angesagt.

        Aber das findest du auch heute noch. Da hat sie sich gerade an String-Tangas gewöhnt und du bittest sie, mal eine Hüftslip anzuziehen oder du wünschst dir mal Satinunterwäsche anstatt den Baumwollslip. Die Gegenwehr ist manchmal von einer gewissen Vehemenz geprägt.

        Aber dann hast du eine Frau, die solchen Wünschen offen gegenübersteht; und dann weiß sie nicht mit Messer und Gabel umzugehen, betrachtet irritiert die auf dem Tisch liegende Leinenserviette, ist nicht konversations- oder gesellschaftsfähig und hat einen Faible für Jack Wolfskin Klamotten. Insofern, das Leben besteht aus Kompromissen und kleinen Fluchten.

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          1. waldstern sagt:

            Ja echt jetzt.

            Fasse es als Beispiel dafür auf, dass eine Ehe (oder Beziehung) nicht ALLE Wünsche abdeckt und das Leben nicht alle Träume erfüllt; wahrscheinlich, weil des Menschen Leben einfach einen Rest Sehnen und Streben braucht, um das Hier und Jetzt zu würdigen.

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            1. Devote Romantikerin sagt:

              Mein ‚echt jetzt‘ hatte sich mehr auf die Einteilung bezogen (Baumwollschlüppi = Frau mit Stil und Manieren; Stringtanga = Frau ohne Stil und Manieren). Diese Sichtweise empfand ich als … nun ja, überraschend.

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